Dessauer Zweierlei

Das Wetter versprach Gutes, der Wind stand günstig  – jetzt sollte es mal länger werden und das E-Bike richtig ausgefahren werden. Also schnappte sich Roman seinen Freund Jens und ab ging’s für 260 Kilometer und etwas mehr als 1.500 Höhenmeter von Kassel in die Bauhaus-Stadt Dessau. 

An den Start um 6:30 Uhr gingen ein voll aufgetanktes Synapse Neo im Gravel-Set-up und auf breiten WTB-Puschen und ein stahlneues SuperSix Evo mit Aero-Cockpit auf bildschönen TdF-Edition Carbon Cosmic Pros. Größer konnte der Unterschied in den Rädern wohl kaum sein – auch im Gewicht, satte 10 Kilogramm Differenz. Und ob der Akku das tatsächlich packte?

Die ersten Kilometer über den Umschwang, Witzenhausen und Eichenberg nach Heiligenstadt bei feinstem Tagesanbruch waren ein Fest. Wenig Verkehr und dazu der Leineradweg bis zu dessen Startpunkt in Leinefelde machten einfach Spaß. Und da in Beuern im Eichsfeld erst Akkusegment 1 von 5 zu Ende ging, war schon zu dem Zeitpunkt klar: Das Ding fahren die beiden locker zu Ende. Nächster Fixpunkt auf der Route: über Worbis nach Nordhausen.

Je weiter es nach Osten ging, umso stärker der Verkehr. Obwohl die beiden bis auf ganz wenige Kilometer die Bundesstraßen mieden, entpuppten sich manche Landstraßen geradezu als Quasi-Autobahnen; so breit wie selbige und mit Top-Speeds weit jenseits der 100 km/h von unseren Pkw-Freunden. Augen zu und durch also. Klarer Vorteil aber in dieser Gegend: immer flach weg und keine Not, den Akku zu strapazieren; mehr als 30 km/h standen stets auf der Uhr.  

Weiter lief’s von Sangerhausen zur Saale. Zuerst endlich mal wieder Abwechslung mit einem zarten Anstieg über 10 Kilometer und darauf folgende 3o Kilometer nach unten. In Rothenburg musste dann der Fährmann in Aktion treten. Kaum auf die Fähre gefahren, sprang das Diesel-Aggregat auch schon an und wenige Minuten später war das andere Ufer erreicht. Jetzt hieß es sehr schnell etwas zu trinken organisieren, denn Jens lief trocken. Um Kilometer 200 wurde dann entspannt auf dem Norma-Parkplatz dem Dehydrieren entgegengewirkt. Erstes kurzes Zwischenfazit: Jens`Bike surrte wie ein Kätzchen und trotz der Racegeometrie gab’s kein Zwicken oder Zwacken bei ihm. Und der Stromer? Erst bei Kilometer 170 verabschiedete sich der zweite Akkubalken, die Beine von Roman waren locker, die Lust aufs Radfahren immer noch riesig. 

Die letzten Kilometer bis Dessau hatten es dann in sich – so richtig. Weniger waren die Topologie zu anspruchsvoll oder die Ausdauer der Jungs zu schwach, es waren die brutalen Kopfsteinpflaster-Strecken. Volle Konzentration auf das Material. Während Roman jetzt den Motor massiv einsetzte, um den finsteren Schläge auf die Prothese etwas aus dem Weg zu gehen (Akkupower war ja noch in Hülle und Fülle vorhanden), schlich sich Jens um die Steine und Löcher irgendwie herum. Schließlich war Dessau nach knapp 10 Stunden Nettofahrzeit erreicht. Entspannte Beine, komplett entspannte Jungs und die Gewissheit, dass sicher noch locker weitere 100 Kilometer mit nur einer einzigen Akkuladung möglich gewesen wären. Langstrecke geht eben mit den unterschiedlichsten Bikes. Aber auch klar: So cool das SuperSix auch alle Schläge weggesteckt hatte, bei den mächtigen Pflastersteinen wäre ein Gravel komfortabler. 

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