Zeitfahren in Hessen

Da hat sich der Einsatz des Verbands doch mal richtig gelohnt. Dank dem HRV klappte es doch noch mit den Zeitfahrmeisterschaften der Nachwuchsklassen. Der sehr ebene Kurs in Einhausen ging für die Klassen inklusive der U15 und der weiblichen U17 mit einer Wende über 9,5 Kilometer, alle anderen Klassen mussten drei Mal durch die Wenden und hatten insgesamt 19,5 Kilometer zu bewältigen. Die äußeren Bedingungen waren bis auf die mächtige Hitze optimal, die Felder exklusiv besetzt. 

In der U15 ist Jan derzeit unser einziges Eisen im Feuer und er machte seine Sache prima. Mit einer Zeit um 15 Minuten fuhr er auf einen richtig guten 7. Platz. Und dazu zeigte die spätere Auswertung der Kilometer-Pace, dass er sich noch einmal zu den Trainingsergebnissen klar steigern konnte – wie übrigens alle anderen auch, was den Trainer immer glücklich macht. 

Dann die U17 weiblich. Wir werfen einen Blick auf die Startliste und entdecken drei mörderisch schnelle Mädels aus dem rheinland-pfälzischen Sportinternat und… weder Saarländerinnen noch weitere Hessinnen. Da die Fahrerinnen aus RLP in einer anderen Liga fuhren, war schon zum Start klar, dass es in Hessen eine Vereinsmeisterschaft geben würde. Los ging’s mit Nastassia und zwei Minuten später mit Annika. Nastassia fuhr wesentlich schneller, als in allen vorherigen Trainingssessions und kam nach 17:26 Minuten ins Ziel. Eine klare Minute schneller war Annika. Auch sie mit neuer persönlicher Bestleistung und damit neue Hessische Meisterin, oder? Sophie stand noch am Start als Letzte. Und nach einem schnellen Start ging die wilde Fahrt los – bis sie nach 3 Kilometer der Plattfuß ereilte. Aus der Traum. Dennoch rollte sie sehr nett von einer Bürstädter Trainerin begleitet ins Ziel und hatte daher kein »dnf« auf dem Zettel und durfte somit aufs Podium. Annika wurde dann auch noch das Trikot als Beste der U17 im Sparkassen Fördercup überreicht. Tolle Sache, Annika.

Dann die Jungs. Johann war leider nicht am Start, er muss ein zerstörtes Kreuzband wieder aufbauen. Extrem schade, gute Besserung. Dafür waren Karol, Gian-Luca und unser »Adoptivkind« Kevin von der MT mit von der Partie. Für Gian-Luca gleich der erste große Prüfstein in seiner ersten Saison nach bislang nur zwei kleineren Rennen im Rohloff-Cup. Mit einer 14er-Durchgangszeit lag er gleichauf mit 10 anderen Fahrern, dann aber musste er im letzten Viertel der Geschwindigkeit etwas Tribut zollen und kam mit 30:29 Minuten als 15. ins Ziel. Gefolgt von Kevin, der sich stark verbessert zeigte und an diesem Tag mehr als teuer verkaufte – da geht sogar noch mehr, sind wir uns sicher. Am Ende dann noch Karol. Seine Leistungsfähigkeit ist bekannt, leider konnte er an diesem Tag nicht alles zeigen, auch wenn auch er eine schnellere Pace als bei allen Trainings und dem Vorjahr zeigte. Am Ende Platz 9 mit einer Zeit von 29:08 Minuten. Dennoch gut gemacht, Karol, schon jetzt ans nächste Jahr denken, dann erneut zur Attacke blasen. 

Von der MT Melsungen hatten wir dazu noch Arne Wiedemann und Alexander Hart mit dabei. Arne kam sogar zwei Plätze vor Karol ins Ziel und unterstrich seine prima Form, die er in den vergangenen Rohloff-Cup-Läufen an den Tag legte. Und Alex fuhr immerhin unter 30 Minuten, für einen Sprinter-Typ eine richtig gute Leistung. Denn klar ist: Zeitfahren ist nichts für jeden Radsportler. 

Was wir in Nordhessen aus den Ergebnissen lernen und wir als ZG im Speziellen? Die Leistungsdifferenz zum Süden ist eindeutig und sie ist alles andere als klein. Schaut man etwa auf die SportlerInnen aus Rheinland-Pfalz, dann kann man nur den Hut vor deren Leistungen ziehen. Daher gilt es, dass wir uns noch mehr anstrengen, um den Abstand zu verkleinern. Dafür müssen wir weiter in der Breite für unseren Sport werben und dann mit etwas Glück immer mal wieder den Einen oder die Eine präsentieren, welche die Jungs und Mädels aus Südhessen zumindest ärgern können. Aber immer mit Vorsicht: Wir als ZG wollen keine SportlerInnen auf dem schnellen Weg zu maximaler Leistung »verbrennen«, sondern langfristig für den Radsport gewinnen. Und es soll – nein, es muss – Spaß machen. Ohne den nämlich ist das alles nichts.