Eroica Germania

Gerade Rohloff-Cup und die Reinhardswald-Rundfahrt abgehakt, ging es zum Kurzurlaub in den Rheingau. Eine sehr schöne Gegend. Am Samstag, 22. August fand dort die dritte Auflage der Eroica Germania statt. Mit dem Bauer-Rad „Modell des Weltmeisters“ fuhr ich die mittlere Runde über 77 km und 1.400 Höhenmeter

Gestartet wurde im Garten des Baron Knyphausen in Eltville am Rhein. Von dort ging es über Wirtschaftswege an Oestrich-Winkel und Presberg vorbei Richtung Ramschied/Bad Schwalbach, Fischbad und Schlangenbad. Zwischendurch immer Wahnsinns-Ausblicke auf das Rheintal, Burgen und Schlösser und auf die Weinberge. Am Schluss noch eine Runde um Kiedrich, wo wir eine Ferienwohnung hatten. Ich drücke mich bewusst vage aus, es gab nämlich keine Karte. Dafür war die Strecke absolut perfekt und quasi »deppensicher« ausgeschildert. Am Vortag waren es noch 38 Grad, nach Kaltfront und nächtlichem Regen gab es bei rund 22 Grad optimale Bedingungen fürs Radfahren. Die Strecke: Einige wenige Landstraßen, asphaltierte oder betonierte Wirtschaftswege und befestigte (geschotterte) Waldwege, die gefühlt etwa 30 % der Strecke ausmachten. Laut Veranstalter gab es Corona-begrenzte 500 Teilnehmer. Organisatorisch wurden die Corona- Schutzmaßnahmen perfekt umgesetzt.

Ist die Eroica eine RTF mit alten Rädern? 

Obwohl die Germania 2020 erst meine vierte derartige Veranstaltung ist, ein klares Nein. Mehr eine anspruchsvolle Gravel-Veranstaltung ohne Wettkampfcharakter aber mit der starken Intention, den Radfahrern die Schönheit der Landschaft nahe zu bringen. Das Geländeprofil und der Zustand der Wege fordern den Fahrern und Fahrerinnen ein hohes Maß an Fahrkunst und Fitness ab.

Ist ein Startgeld von 80 Euro angemessen?

Für diese Germania 2020 zumindest nicht. In den beiden Verpflegungskontrollen gab es ein Angebot, das kaum über dem unserer ZG-RTF in „Friedenszeiten“ lag. Aber wir sind in diesem Jahr hierfür ja auch kritisiert worden. Alles Corona also? Im Start- und Zielbereich ging es auch recht sparsam zu.

Wie ist die Germania einzuordnen? 

Zum zweiten oder dritten Mal habe ich Peter Frohnmeyer vom KSV Auedamm bei einer Eroica getroffen, er hat reichlich Erfahrung mit diesen Veranstaltungen. Seiner Meinung nach sind die italienischen „Eroicen“ Gajole und Montalcino die schwersten, danach die Eroica Germania und die Eroica Limburg.

Können wir so etwas auch? 

Ist das System Eroica in Italien vielleicht noch darauf aus, „weiße Strassen“ zu fördern, will man mit anderen Veranstaltungen sicher Geld verdienen. Das ist legitim. Jedermann-Rennen funktionieren genau so. In Eltville kam wohl ein Teil der Organisation aus Berlin (Franchise?), der andere Teil aus dem Rheingau. Wer RTF kann, kann auch eine Tourenfahrt für die Besitzer historischer oder zumindest alter Räder organisieren. Aber ohne die Eroica zu kopieren? Gibt es in unseren Breiten überhaupt genügend Interessenten? Fragen, die wir uns im Verein gerne einmal diskutieren sollten. 

Text: Bernd # Bilder & Video: Dejan Andric & Bernd
  • Kategorie: RTF