Ausfahrt Hannover-Zentrum

Mitten in Hannover starteten unsere Jungs beim Stevens Cyclocross-Cup. Die Strecke war an diesem Tag trocken und bot jede Menge Grip – beste Voraussetzungen für schnelle Rennen. 

Jan musste in der U17 ran, der Altersklasse, in der er auch im kommenden Jahr auf der Straße aktiv sein wird. Seine Rennklasse war bestens besetzt, jede Menge Fahrer, die im Bundesliga-Rennen zuvor in Bad Salzdetfurth sich in den Top-10 getummelt hatten. Insofern war die Messlatte klar für Jan: Nur nicht so oft überrundet werden. Und das hat Jan prima hinbekommen. Er fuhr ein gutes Rennen, hatte am Ende noch einen Fahrer hinter sich und nur eine Überrundung auf dem Zettel. Sehr gut!

In der gemeinsamen Wertung von U23 und Elite waren im Anschluss 26 Fahrer am Start, darunter auch ganz flotte Jungs vom Stevens Racing Team. André, Ben und Alexander waren für unsere ZG unter unterschiedlichsten Voraussetzungen am Start. André profitierte von seinem starken Bundesliga-Rennen und durfte aus der zweiten Reihe an den Start gehen, Alex feierte Premiere im Gelb-Blauen-Trikot und Ben mit jeder Menge unverschuldetem Trainingsrückstand bei seinem ersten CX-Rennen. Die U23 ging mit Vorgabe in das Rennen und gab sofort Vollgas. In der ersten Verfolgergruppe krallte sich André ein Hinterrad und blieb dran. In der letzten Runde dann immer wieder Attacken von Benjamin Kuchta vom RSV Bruchhausen. Letztlich konnte André nach der letzten steilen Rampe nicht mehr ganz dran bleiben und ist am Ende hervorragender 7. geworden. Sein Ziel unter den Top 10 in diesem starken Starterfeld hat er also mit einer sehr guten Leistung erreicht. Gratulation, André.

Ben ließ das Rennen – wie gewöhnlich – etwas ruhiger angehen, behauptete sich aber schließlich im Feld und konnte am Ende mit Platz 19 mehr als zufrieden sein, gerade weil er den starken Straßenfahrer Jonas Wehrmann vom Citex CX-Elite-Team noch hinter sich lassen konnte. Und auch Alexander Dittel durfte mehr als zufrieden sein. Er ist in seinem Job massiv eingespannt, wenig Zeit für regelmäßiges Training. Am Ende Platz 23 und noch zwei Hannoveraner Jungs in die Schranken gewiesen. Prima. 

Auftakt nach Maß

Traditionell bietet der Auftakt zur Cyclocross-Saison in Bad Salzdetfurth die vielleicht schwerste Strecke aller Rennen. An zwei aufeinanderfolgenden Bundesliga-Tagen ging es für die Fahrerinnen und Fahrer über steile Rampen und einen technisch anspruchsvollen Kurs. André und Jasmin lieferten überzeugenden Cross-Sport und kamen in den Top-20 ins Ziel.

Wer im Cyclocross-Sport »Bad Salzdetfurth« hört, der schnalzt mit der Zunge. Der künstlich angelegte Kurs im Bikepark wird selbst höchsten Ansprüchen gerecht. Die steilen Rampen sowie die kurzen und heftigen Abfahrten bilden zusammen mit den Tragepassagen und Hindernissen einen außerordentlich anspruchsvollen Parcours. Hart zu fahren und keine Chance für Erholungen. Für die StarterInnen bedeutete dies 50-60 Minuten allerhöchste Konzentration und maximale Power. 

Zumindest die Bodenbeschaffenheit am Wochenende zeigte sich gnädig mit den Akteuren. Auf trockenem Untergrund konnten schnelle Runden absolviert werden. Während das Rennen der Frauen am Samstag sommerlich heiß wurde, fuhr die Elite der Männer später in einem angenehm bewölkten Zeitfenster. Jasmin hatte die Sonne etwas zu wenig auf dem Plan, kämpfte sich aber bravourös durch das 31 Frauen starke Feld auf Platz 15 ins Ziel. Bei den Männern geht die Selektion typischerweise recht schnell. Schon nach den ersten Runden finden sich die Gruppen. Und obwohl die Strecke in Niedersachsen noch nie zu den Lieblingsstrecken von André gehörte, konnte er sich unter 36 Startern auf Platz 19 platzieren.

Nach einem harten ersten Bundesliga-Renntag verlangt der zweite Tag dann noch einmal alles von den Fahrerinnen und Fahren. Die Voraussetzungen an diesem Tag aber vollkommen anders. Ganze 10 Grad kälter, dazu viel Wind mit starken Böen. Bedingungen, die Jasmin und André zu nutzen wussten. Ein extrem guter 13. Platz für André zeigte, dass er auch seinen direkten Kontrahenten aus Nordhessen, Max Feger, in die Schranken weißen kann und dazu noch vor Wolfram Kurschat, dem Alt-Internationalen – ein klasse Rennen von ihm. Ebenfalls Platz 13 für Jasmin im Feld der Frauenelite, nur winzige 26 Sekunden von den Top-10 entfernt. Nach dem Start aus Reihe 2 bremsten die schweren Beine vom Vortag eine Weile, bis sie dann die Verfolgung aufnahm und sich schließlich Platz um Platz verbesserte. Exzellente Vorstellung.

Toller Einsatz in Dipperz

Bereits im Voraus war klar: Bei dem Rennen zu den Hessischen Meisterschaften in Dipperz würde es für unsere Jungs und Mädels nicht viel zu holen geben. Wer einen aufmerksamen Blick auf die Starterlisten warf, der ahnte schon: Hier würde es richtig zur Sache gehen. Da es keine geschlossenen Meisterschaften waren, nutzten viele Landesverbände das Rennen zur Vorbereitung auf die noch kommende DM. 

Als Erstes am Start war Jan in der U15. Insgesamt gingen 47 Jungs auf die etwa 4 Kilometer lange Reise über die Wirtschaftswege am Rande der Rhön. Der Asphalt war prima, das Wetter rau aber trocken und mit einer doppelten Welle in einem leichten Anstieg sowie einer scharfen Rechtskurve nach der Abfahrt technisch nicht übermäßig schwer. So konnten auch diejenigen mitfahren, die nicht unbedingte »Bergziegen« waren. 

Schon nach der ersten Runde zeigte sich, dass das Tempo flott war und das Feld bereits etwas geteilt wurde. Nach zwei weiteren Runden war dann alles auseinandergefahren. Jan konnte in einer funktionierenden 5er-Gruppe bis zum Ende gut mitfahren – das war auch im Voraus der Plan: nicht alleine über den Kurs fahren, sondern mit Umsicht fahren und eine Gruppe finden. Auch wenn Jan so nichts mit dem Ausgang des Rennens zu tun hatte, kam er als 22. ins Ziel. Alles richtig gemacht und ein toller Einsatz von ihm. 

Danach war Annika in der U17 gefordert. Als einzige Hessin stand sie in einem Feld von 31 Fahrerinnen. Und auch Annika war clever genug, sich nicht alleine zu verausgaben, sondern fand 3 Mitstreiterinnen, mit denen sie gemeinsam Runde um Runde bestritt. Die Rechtskurve sollte für einige Mädels zum Verhängnis werden und auch Annika fuhr auf der einige Male »allerletzten Rille« hindurch, hatte aber zum Können auch etwas Glück und kam ohne Sturz am Ende als 25. nach tollem Kampf ins Ziel. 

Schließlich die schwerste Startgruppe, die U17 männlich. Was ein schönes Feld mit 63 Startern. Das wünscht man sich als Veranstalter bei jedem Rennen. Die Fahrer aus Rheinland-Pfalz und Thüringen schlugen sofort ein Mörder-Tempo an, Gian-Luca mittendrin. Aber auch für ihn war nach Runde 2 bereits klar, dass dies eine ganze Klasse zu schnell werden würde. Bei den Durchfahrten der weiteren Runden sah Gian-Luca immer schlechter aus und beendete schließlich das Rennen. Der Grund: Der Magen spielte nicht mit und mit Magenkrämpfen lässt sich einfach kein Radrennen fahren, das erklärte dann auch den Leistungsabfall. Immerhin wurde er noch als 52. gewertet. Etwas Pech daher, aber nichtsdestotrotz hat er sich so weit reingehangen, wie an diesem Tag möglich. 

Fazit von Trainer Roman: wichtige Erfahrungen und Rennkilometer für unseren Nachwuchs und prima Engagement. Jetzt darf es dann so langsam in Richtung Cross gehen.

Gießen oder Melle?

Jan, Karol, Samuel und Jasmin standen vor dieser Frage. Und wer hat die richtige Antwort gefunden? Jasmin. Frauen haben da scheinbar einfach den besseren Riecher.

Die kurze Strecke in Gießen ist schon jedes Jahr etwas Besonderes. Und irgendwie liegt unseren Jungs das Rennen nie. So hatten weder Jan noch Karol oder Samuel in der Elite irgendetwas mit dem Ausgang des Rennens zu tun. Superkurz und schnell und leider nicht als Kriterium gefahren, daher sind die Rennen auch leider immer alles andere als spannend. Besser lief’s in Melle. Jasmin konnte dort früh melden, daher war Gießen auch nie eine Option.

Melle und Kriterium, das war genau das Richtige für unsere schnelle Frau. Zum – ihrer Meinung nach – schönsten aller Rennformate lud die Radrenn-Gemeinschaft Osnabrück und dazu noch als reines Frauenrennen ausgeschrieben. Als erstes Rennen des Tages fanden sich 10 Fahrerinnen am Start ein. Jede 7. Runde von insgesamt 35 war eine Wertungsrunde. Permanent wurde von verschiedenen Fahrerinnen attackiert, aber das aufmerksame Feld ließ keine Ausreißerin zu. Wie immer dauerte es bei Jasmin, bis sie mit der Rennbelastung zurechtkam, aber bei den späteren Wertungen konnte sie dann einige Punkte ersprinten sich letztlich einen hervorragenden 3. Podiumsplatz sichern. Gratulation.

Schwerstarbeit bei den Deutschen

Die Deutschen Meisterschaften Straße am 23.08. hatten es in sich – der Kurs auf dem Sachsenring glänzte als echte »Berg-und-Talbahn«. Was für Rennwagen noch leicht zu bewältigen ist, war für die Fahrerinnen um Jasmin auf 100 Kilometern Renndistanz eine Großaufgabe – mehr als 2.000 Höhenmeter standen am Ende auf den Radcomputern. 

Die ersten 20 Runden auf dem etwa 3.7 Kilometer langen Kurs liefen in schnellem Renntempo, allerdings noch ohne größere Attacken von ganzen Gruppe. Lediglich einzelne Fahrerinnen versuchten ihr Glück in der Flucht nach vorn. Dennoch zeigte sich bereits hier die Härte des Kurses, eine Fahrerin nach der anderen musste das Rennen aufgeben.

Viel Arbeit leisteten die hessischen Fahrerinnen der RSG Gießen, bis dann die letzten 5 Runden das Zeichen für die Profis war, ernst zu machen. Jetzt wurden massive Attacken gefahren und die Hatz auf die flüchtigen Führenden startete. Jasmin konnte die ersten Attacken noch mitgehen, und fand sich dann in einer 4-er-Gruppe wieder, die am Ende 3 Minuten hinter der neuen Deutschen Meisterin Lisa Brennauer vom Profiteam Ceratizit-WNT ankam. Mit Platz 32 ein toller Erfolg der schnellste Nordhessin auf zwei Rädern und ihrem gesamten Wheel Divas-Team

Eine Wheel Diva in Polen

Ein UCI-Rennen war angesagt – endlich einmal wieder. Dieses Mal ging es nach Golub-Dobrzyn in Polen. Am Freitag habe ich morgens noch gearbeitet, bevor es mit dem Zug nach Berlin ging. Statt also einer kleinen Vorbelastung auf dem Rad, hieß es: Puls im Zug, weil auf die Deutsche Bahn mal wieder alles andere als Verlass war. Egal, Ruhe bewahren. Kaum in Berlin schließlich angekommen, ging es in den Bus und Abfahrt nach Polen, dort kamen wir dann spätabends an. Jetzt nur noch schnell etwas snacken und nichts wie ins Bett. 

Am nächsten Tag ging es für mich glücklicherweise erst um 14 Uhr mit dem Zeitfahren los. Daher konnte ich mich ein wenig ausschlafen und im Anschluss die Strecke abfahren. Mein Start dann um 15:06. Die Aufregung war groß, weil ich noch nie mit Aufliegern gefahren bin, aber die Strecke war super: leicht wellig, perfekter Asphalt und größtenteils durch den Wald, also schattig und nicht so viel Wind. Während in Deutschland über 30° waren, war die Temperatur in Polen bei angenehmen 25°C. Das Zeitfahren lief super, ich konnte die ganze Zeit in der Aeroposition verbringen, auch wenn die Wattwerte ein bisschen höher hätten sein können. Das reichte für Platz 26 mit etwa 4 Minuten Rückstand auf Marta Jaskulska von der polnischen Nationalmannschaft und 3:30 Minuten hinter der besten Deutschen, Corinna Lechner vom Profi-Team Stuttgart. 

Die nächste Nacht hatte es in sich, denn wir waren in einem Hochzeitshotel untergebracht. Leider aber wurde es alles andere als romantisch, das hatte sich bereits beim Frühstück angebahnt. Der morgens geschmückte Saal füllte sich zum Abend und dann wurde ausgiebig Hochzeit gefeiert – mit Live-Band. Die Hochzeitsgesellschaft war auch recht ausdauernd: Bis früh um 5 Uhr wurde wild gefeiert. Dementsprechend zerknautscht ging es dann auch an den Start des Straßenrennens. Die erste Runde war ziemlich hart für mich. Die dicken Beine von gestern, zu wenig geschlafen, nervöses Feld … Dinge, die ich so nicht brauchte. Aber es wurde von Runde zu Runde besser. Ich wusste, wo die Schlaglöcher und der Sand nicht waren und steuerte darum herum. Dazu kam ein sehr steiler Stich, der aber immer besser für mich zu fahren war. Nach Runde 4 verabschiedeten sich die Juniorinnen, wodurch das Gedränge auch weniger wurde. Die letzte Runde wurde dann auf Position gefahren. Da ich dieses Jahr noch nicht so viel im Feld gefahren bin und auch einige spektakuläre Stürze beobachten konnte, habe ich versucht, mich aus allen riskanten Aktionen rauszuhalten. Bin dann einfach im Feld ins Ziel gerollt. Das bedeutete am Ende den 23. Platz unter 46 Fahrerinnen, nichts zu klagen also und ein schöner, solider Platz im Mittelfeld. 

Danach gab es »Katzenwäsche« und für 5 Stunden wieder ab in den Bus nach Berlin. Dort – natürlich – den letzten Zug nach Kassel verpasst und so musste ich die Nacht noch in Berlin verbringen, bevor es dann Montagmorgen mit der Bahn nach Kassel und wieder zur Arbeit ging.

Jasmin

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