Berg und Zeit

Unser erster ernsthafter Test für ein Bergzeitfahren am Dörnberg ist definitiv gelungen. Es war ja im Voraus schwierig zu planen und wir hatten uns auf eine Anmeldung “unter dem Radar” entschieden und wollten den Fokus auf den Radsportbezirk Kassel legen. Gleichzeitig konnten so die Bezirksmeisterschaften Berg in 2020 doch noch ermöglicht werden.

Die Strecke ging über 6.5 km und etwas mehr als 200 Höhenmeter von Ahnatal-Weimar in Richtung Fürstenwald und von dort hinauf zum Dörnberg. Oben angekommen noch ein Knick nach Links und dann bis zum Ende der Straße am Café Helfensteine.

Alle Starterinnen und Starter zeigten vollen Einsatz und fuhren prima Zeiten. Aus Sicht der ZG: André fuhr im Bezirk in 12:29:33 Minuten auf einen tollen 2. Platz bei den Elite Amateuren, Jasmin ballerte in extrem schnellen 13:47:05 den Berg hinauf und Moritz schoß den Vogel bei den Amateuren ab und holte sich in 12:37:98 den Sieg. Exzellent.

Der Nachwuchs: Auch hier passten die Zeiten definitiv. Gian-Luca fährt mit 14:35:17 auf Platz 2 in der U17m, Sophie fährt in der U17w eine richtig gute 20:32:87 und Jan in der U15 – ebenfalls 1a – eine 16:04:91. Habt ihr sehr, sehr gut gemacht.

Bei den Senioren 3 legte sich Tommy mächtig ins Zeug, hatte aber wohl ein kleines Navigationsproblem auf der Strecke, was ihm dann auch richtig Zeit kostete. Dennoch am Ende immerhin eine mehr als ordentliche 15:27:46. Prima.

Mit Vollgas durch die Tiefgarage

Rennen in Zeiten von Corona? Gibt’s doch gar nicht. Gibt es wohl. André war bei einem Crit-Rennen in Erfurt für das Team Hannover FXD am Start. Und mit mächtigem Erfolg. Ein  superber Platz 2 wurde es. Lest seinen Bericht. 

Starten oder nicht starten? Aufgrund der erhöhten Ansteckungsgefahr bei solchen Veranstaltungen wollte das wohl überlegt sein. Das Konzept der Veranstaltung sah aber vielversprechend aus. Da das Rennen auf mehrere Vorläufe und zwei Finalläufe aufgeteilt war, waren immer nur relativ wenige Fahrer zusammen auf der Strecke. Dies und die Tatsache, dass die Form grad extrem gut zu sein schien, ließ die Entscheidung für einen Start fallen. Und: Der riesige Parkplatz und die klar kommunizierten Regeln für alle Anwesenden ließen durchaus eine etwas größere Menge an Menschen zu ohne sich dabei zu nahe zu kommen.

Ich wurde in den zweiten Vorlauf um 11:30 Uhr eingeteilt. Hier musste man eine Platzierung unter den ersten 6 Fahrern erreichen, um sich für das A-Finale zu qualifizieren. Ich konnte mich zusammen mit Jan Lietzke von den Puncheurz früh vom Rest des 15 Fahrer starken Feldes absetzen. Wir harmonierten gut und konnten auf den 9km einen Vorsprung von ca. 30 Sekunden herausfahren. In der Letzten engen kurve am Ausgang aus der Tiefgarage konnte ich die finale Attacke setzen und den Vorlauf für mich entscheiden. Mit der schnellsten Zeit aller Vorläufe konnte ich mir so sogar den besten Startplatz fürs Finale sichern – gestartet wurde übrigens mit 1,5m Abstand. Danach gab es erst mal ein Nickerchen im Auto, denn das A-Finale sollte erst um 15:15 starten. Vorher fanden noch das Rennen der Frauen und das B-Finale statt. 

Im Finale ging es dann gleich zur Sache. Ich konnte vom Start weg vorn fahren und das Tempo hoch halten. So stand schon in der ersten Runde eine siebenköpfige Gruppe mit Fahrern aus der Schweiz und Frankreich. Darunter unter anderem der starke Sprinter Tim Ceresa vom Team Look Crit und Jan Lietzke und Dominik Karrasch von den Puncheurz. Letztere sorgten immer wieder im Wechsel für Attacken, sodass es nur ganz selten mal langsam wurde. Entscheidend absetzen konnte sich allerdings nie jemand. Um einem Sprint aus dem Wege zu gehen setzte ich eingangs der letzten Runde dann meine Attacke. Ich konnte mich auch ein paar Meter absetzen und den Vorsprung in den technischen Passagen bei extrem hohem Tempo ein wenig ausbauen. Ausgangs der Tiefgarage lag ich noch immer vorn und es waren noch etwa 300m zu fahren. Nach der letzten Rechtskurve versuchte ich noch mal die allerletzten Reserven im Sprint herauszupressen, aber leider konnte sich der Red Hook erfahrene Franzose Tim Ceresa auf den letzten 10m noch an mir vorbeischieben. 

Gipfelsturm

Der dritte Lauf der GCA-Liga ging dieses Mal in die Höhe. Und es ging nicht irgendwie ein wenig nach oben. Nein. Es war richtig heftig. Es galt die »Alpe du Zwift« zu erklimmen. Der heftigste Anstieg in dem Programm über mehr als 12 Kilometer und mit durchschnittlich 8% im Schlussanstieg. Ein echter Berg.

70 Fahrerinnen kamen beim Frauenrennen ins Ziel. Jasmin wurde am Ende 20. und war nicht wirklich zufrieden mit ihrem Resultat. Im realen Rad-Leben ist solch ein Anstieg eine ihrer Stärken, an diesem Tag aber wollten die Beine nicht so. Das zeigten auch die Werte. Mit weniger als 4 Watt pro Kilogramm Körpergewicht an Leistung konnte es in diesem Rennen zu mehr nicht reichen. Aber kein Beinbruch, es kommen ja auch wieder andere Rennen. Alles ist gut. 

Bei den Jungs waren Samuel und Ben am Start. Insgesamt kamen 270 Männer ins Ziel. Samuel fuhr auf Platz 168 und Ben auf 219. Das passt auch bestens zu ihren Stärken unter freiem Himmel. Samuel ist ja nun bekannt für seine exzellenten Bergzeitfahren, daher eine ideale Strecke für ihn. Ganz anders dagegen Ben. Er ist ein sehr guter Taktiker, der als Allrounder seine Stärken im Sprint ausspielen kann. Insgesamt als prima Resultate für die beiden. Samuel dazu: »Die härteste Stunde auf dem Rennrad seit langem. Ein bisschen wie Meditation oder so, man blendet alles aus und es gibt nur noch treten, treten, treten.« Wir sind gespannt, was die kommenden Rennen bringen werden.

Jasmin rockt das Netz

Zweites Rennen der »GCA-LIGA BY BDR & MÜLLER – DIE LILA LOGISTIK« auf der Plattform Zwift. Und was macht unsere für die Wheel Divas fahrende Jasmin? Sie fährt sensationell auf Platz 6. Und es waren noch mehr ZGler am Start an diesem Renntag, nämlich Moritz und Ben. Zuerst aber schauen wir auf Jasmin.

Ein Spitzenfeld von 57 Fahrerinnen und Jasmins Power sorgten beim zweiten Lauf der GCA-Liga als Ersatz für die ausgefallenen Bundesliga-Rennen für ein echtes Online-Highlight. Schon früh war klar, dass die vier bestplatzierten Fahrerinnen des ersten Rennens auch an diesem Tag auf dem virtuellen Kurs durch Innsbruck die Siegerin unter sich ausfahren würden. Auf den insgesamt 45 Kilometern mit einer 9%-igen Steigung bestimmten sie das Renngeschehen. Immer aber im direkten Kontakt: Jasmin. Als die Attacke der Siegerin des Auftaktrennens, Profi Romy Kasper vom niederländischen Rennstall »Parkhotel Valkenburg«, gut 2 Kilometer vor dem Ziel startete, konnte nur noch die amtierende Deutsche Meisterin der Mannschaftsverfolgung, Tanja Erath vom Profi-Team Canyon/SRAM, mit Verzögerung kontern. Alles sah nach einer Entscheidung aus, aber die Verfolger mit Jasmin blieben hartnäckig und so kam es tatsächlich noch zu einer Sprintentscheidung. Dabei war Jasmin clever in der Gruppe platziert und schob sich dann durch einen Kraftakt spektakulär auf Platz 6; es gewann Erath vor Kasper. Unfassbar.

Durchwachsener der Start dagegen bei unseren U23ern. Ben haderte bereits am Start mit zu geringen Wattzahlen, die vom Smart-Trainer an das System übertragen wurden und als dann zur Mitte des Rennens die Technik gleich zwei Mal hintereinander versagte, gab er entnervt auf.

Viel besser dagegen lief es für Moritz. Seine Stärke ist definitiv das Zeitfahren, also durchgehend eine große Leistung in Form von Wattzahlen abliefern – perfekt für Online-Rennen, in denen man permanent treten muss und die mit wesentlich weniger Attacken gefahren werden als sonst üblich. Über die Rennstunde konnte er 296 Watt mobilisieren, was am Ende Platz 166 unter 231 Finishern in einem sehr gut besetzten Feld bedeutete. Ganz sicher zahlte sich dabei auch seine Erfahrung in der Online-Rennwelt aus, denn er trainiert regelmäßig auf der Plattform. Toll gemacht, Moritz.

Jetzt sind wir schon auf die kommenden Rennen gespannt und drücken die Daumen, dass die Technik bei allen mitspielt.

Im virtuellen Raum

Jasmin war am Start der Serie über 5 Rennen der GCA-LIGA BY BDR & MÜLLER – DIE LILA LOGISTIK auf der Online-Plattform »Zwift«. Der Grund: Keine realen Rennen mehr, dann eben Zuhause gegen andere antreten. Hört sich simpel an, ist aber etwas ganz anderes als unter freiem Himmel. 

»Im Prinzip sind das vollkommen andere Regeln, an die man sich anpassen muss, wenn man vorne dabei sein will. Das geht schon beim Windschattenfahren los. Während man normalerweise genau erkennen kann, welches Hinterrad wie viel Erleichterung durch den Windschatten bringt, wird er hier von der App berechnet. Das kann dann auch dazu führen, dass unerwartet eine Lücke aufgeht, wenn man kurz nachlässt; die ist dann nur schwer zu schließen. Das System meldet »Push«, also noch mal Druck auf das Pedal bringen, und macht man dies, dann kann es auch zu viel sein und nach wenigen Sekunden findet man sich genau so unerwartet an der Spitze des Feldes wieder«, so Jasmin. 

Am Ende aber ein prima 26. Platz unter 53 Fahrerinnen in einem wild gemischten und teilweise enorm starken Feld. Dazu stärkste ihres Teams, den Berliner WheelDivas. Gut gemacht. Bei den nächsten Rennen wollen auch unsere Jungs mal ausprobieren, was so geht. Wir sind gespannt.

Dubai Women’s Tour 2020

Das letztjährige Klassejahr von Jasmin trägt in diesem Jahr Früchte. Sie startet in 2020 für die Wheel Divas Berlin, und das ist auch sehr gut so. Denn klar ist: Wer über die Region hinaus Radsport betreiben möchte, braucht mehr als nur einen guten Verein, er braucht ein starkes Team. Und mit den Berliner Mädels hat Jasmin ein prima Los gezogen. Schon der Februar wird für sie ein Highlight vorhalten – die Dubai Women’s Tour vom 17. bis 20 Februar, ein UCI-Rennen der Klassifikation 2.2.

Mit jeder Menge Radgepäck ging es für die schnellste Frau Nordhessens am frühen Freitagmorgen mit dem Zug von Kassel nach Frankfurt, um von dort über Kairo nach Dubai anzureisen. Dort ist alles für die Wheel Divas und deren Betreuer vorbereitet, damit es zu einer idealen Standortbestimmung zum Saisonanfang kommen kann. Vier Etappen bei angenehm warmen Bedingungen um 20 Grad warten auf die insgesamt 16 Frauenteams aus allen Teilen der Welt.

Die Etappenlängen: Etappe 1 = 99 km, Etappe 2 = 106,45 km, Etappe 3 = 89,96 km und Etappe 4=112 km. Auch einige Anstiege sind in den Karten verzeichnet. Je nach Renntempo können auch solche vergleichsweise kleineren Anstiege – zudem möglicherweise mit Wind – das Rennen entscheidend erschweren. Die Zielvorgabe von Jasmin: »Ich mache mir nicht zu viel Druck. Auch wenn meine Vorbereitung gut war, kann in solchen Rennen alles passieren. Gerade beim Saisonauftakt. Wir werden gemeinsam die Renntaktik besprechen und ich werde mich entsprechend für das Team und meine Kolleginnen einsetzen. Schließlich ist das Ganze auch für mich aufregend und neu, da sollte man die Messlatte nie zu hoch anlegen.«

Mit am Start werden sein:

  • Agolico Cycling Team aus der Schweiz
  • Team Vaiano-Aromitalia-Basso Bikes ais Italien
  • Hitch Products Dirk Sport aus Norwegen
  • Macogep Tornatech Girondins aus Canada
  • Wheel Divas Cycling Team aus Deutschland
  • Team UAE aus den Vereinigten Arabischen Emiraten
  • Feminin Team aus Frankreich
  • Minsk Cycling Club aus Weißrußland
  • Kuwaiti Women Cycling Team aus Kuwait
  • Fehérvár aus Ungarn
  • Olympic Training Centre – Under 23 Team aus Kazachstan
  • Kazakhstan National ebenda
  • Doltcini-Van Eyck aus Belgien
  • Cogeas Mettler aus der Schweiz
  • Ciclotel aus Belgien und
  • Andy Schleck-Immo Losch aus Luxemburg