Aru oder Eiscreme?

Wer Ende September in Niestetal-Sandershausen sein Eis essen wollte, der stand bei der beliebten Eisdiele Sardegna vor verschlossenen Türen. Der Grund: Inhaber Familie Böer war geschlossen aufgebrochen, um Gian-Luca beim Radrennen Giro Sardegna in der Heimat von Mutter Lucia zu unterstützen. Statt Vanille, Schokolade und Stracciatella drehte sich sechs Renntage alles um schnelle Räder und Ex-Profi Fabio Aru, der die Veranstaltung begleitete. Vor dem Schweiß auf Sardinien aber galt es, die Vorbereitungen zu meistern. An erster Stelle das Thema Schule, diese musste von diesem speziellen Vorhaben überzeugt werden. Gut, dass man ein offenes Ohr bei Dr. Schöppner, Schulleiter des Friedrichsgymnasiums Kassel fand und es eine Lösung dafür gab, wie der Lehrstoff nachgearbeitet werden konnte. Schließlich kennt man sich beim ältesten Kasseler Gymnasium mit Wettkampfsport und seinen Besonderheiten bestens aus. Dann rückte die Technik in den Blickpunkt. Sechs schwere Etappen am Stück, da muss auf die Rennmaschine einhundert Prozent Verlass sein. René Wehnhardts Team von Mauers Baikschopp lieferte die schnelle Radtechnik, die  Gian-Luca sicher über die Rundfahrt brachte.

Auf Sardinien angekommen, blieb nur wenig Zeit sich mit den hohen Temperaturen anzufreunden. Ein kurzes Einrollen am Samstag und dann Sonntag um 9: 30 Uhr Aufbruch zur ersten Etappe. Hier galt es für Gian-Luca, den Fokus auf die eigene Leistungsfähigkeit unter den knapp 200 Fahrern zu richten und sich nicht sofort herausfordern zu lassen. Und der Tag lief für den jüngsten Teilnehmer des Feldes sehr gut. Nach 2:46 Stunden kam er in seiner Gruppe ins Ziel. Jetzt galt es zu regenerieren und bereits die zweite Etappe im Blick zu haben. Diese war dann wie für Gian-Luca gemacht, ein Einzelzeitfahren über 16 Kilometer mit 240 Höhenmetern, alles andere als flach. Im Ziel stand lediglich ein Rückstand von 5 Minuten zum Tagesbesten auf dem Zettel, das motivierte.

Es folgte die „3-Seen-Etappe“ zum Laghi dell’Interno mit 75 Kilometern. Auch an diesem dritten Tag lief es für Gian-Luca gut. Das Material hielt, die Beine waren gut, noch einmal 20 Minuten auf den Schnellsten verloren, aber kein Grund für schlechte Laune, denn bereits auf der 4. Etappe sollte es wieder perfekt für ihn laufen. Erneut ein Zeitfahren, dieses Mal im Team. Und dass Gian-Luca beim Einzelzeitfahren richtig flott unterwegs war, hatte man auch beim Team Corratec registriert. Dort musste man das Team spontan mit weiteren Fahrern besetzen, um die Chancen im Gesamtklassement zu wahren. Kurzerhand sprang Gian-Luca mit ein, füllte das Team auf und verhalf auf der sehr anspruchsvollen Strecke seinen Teamkameraden zu einer exzellenten Zeit, die zwei der Fahrer im Gesamtklassement auf das Podium bringen sollte. Ein so harter Tag kostete die berühmten Körner, das zeigte sich bei der vorletzten Etappe. Auf den 85 Kilometern kam es zu zahlreichen Anstiegen, die insgesamt 1600 Höhenmeter ausmachten. Eine kräftige Brise vom Meer kam den Fahrern entgegen und die Sonne brachte das Thermometer auf 30 Grad. Nur irgendwie ins Ziel kommen, lautete das Motto. Nach knapp drei Stunden war auch dies geschafft. Ein weiteres Mal hieß es Kraft tanken und sich schnell regenerieren.

Die letzte Etappe über knapp 1000 Höhenmeter bei nur 25 Kilometern Länge war ein Bergfahren. Gian-Luca gab noch einmal alles und fuhr im Gesamtklassement auf einen hervorragenden 75. Platz, in seiner Kategorie sogar auf Platz 11. Am Ende einer eindrucksvollen Rundfahrt noch ein Foto mit Fabio Aru und schon ging es wieder in den Flieger zurück nach Hause. Am kommenden Tag stand schließlich noch mit dem Bilstein-Marathon ein Mountainbikerennen zum Ausfahren auf dem Programm. Apropos Ausfahren: Dieses Rennen gewann Gian-Luca in der U19 sogar trotz aller vorherigen Strapazen. „Der Giro Sardegna war extrem anstrengend, hat aber auch sehr viel Spaß gemacht“, so Gian-Luca. „Und nächstes Jahr komme ich wieder, versprochen.“