Gießen oder Melle?

Jan, Karol, Samuel und Jasmin standen vor dieser Frage. Und wer hat die richtige Antwort gefunden? Jasmin. Frauen haben da scheinbar einfach den besseren Riecher.

Die kurze Strecke in Gießen ist schon jedes Jahr etwas Besonderes. Und irgendwie liegt unseren Jungs das Rennen nie. So hatten weder Jan noch Karol oder Samuel in der Elite irgendetwas mit dem Ausgang des Rennens zu tun. Superkurz und schnell und leider nicht als Kriterium gefahren, daher sind die Rennen auch leider immer alles andere als spannend. Besser lief’s in Melle. Jasmin konnte dort früh melden, daher war Gießen auch nie eine Option.

Melle und Kriterium, das war genau das Richtige für unsere schnelle Frau. Zum – ihrer Meinung nach – schönsten aller Rennformate lud die Radrenn-Gemeinschaft Osnabrück und dazu noch als reines Frauenrennen ausgeschrieben. Als erstes Rennen des Tages fanden sich 10 Fahrerinnen am Start ein. Jede 7. Runde von insgesamt 35 war eine Wertungsrunde. Permanent wurde von verschiedenen Fahrerinnen attackiert, aber das aufmerksame Feld ließ keine Ausreißerin zu. Wie immer dauerte es bei Jasmin, bis sie mit der Rennbelastung zurechtkam, aber bei den späteren Wertungen konnte sie dann einige Punkte ersprinten sich letztlich einen hervorragenden 3. Podiumsplatz sichern. Gratulation.

Schwerstarbeit bei den Deutschen

Die Deutschen Meisterschaften Straße am 23.08. hatten es in sich – der Kurs auf dem Sachsenring glänzte als echte »Berg-und-Talbahn«. Was für Rennwagen noch leicht zu bewältigen ist, war für die Fahrerinnen um Jasmin auf 100 Kilometern Renndistanz eine Großaufgabe – mehr als 2.000 Höhenmeter standen am Ende auf den Radcomputern. 

Die ersten 20 Runden auf dem etwa 3.7 Kilometer langen Kurs liefen in schnellem Renntempo, allerdings noch ohne größere Attacken von ganzen Gruppe. Lediglich einzelne Fahrerinnen versuchten ihr Glück in der Flucht nach vorn. Dennoch zeigte sich bereits hier die Härte des Kurses, eine Fahrerin nach der anderen musste das Rennen aufgeben.

Viel Arbeit leisteten die hessischen Fahrerinnen der RSG Gießen, bis dann die letzten 5 Runden das Zeichen für die Profis war, ernst zu machen. Jetzt wurden massive Attacken gefahren und die Hatz auf die flüchtigen Führenden startete. Jasmin konnte die ersten Attacken noch mitgehen, und fand sich dann in einer 4-er-Gruppe wieder, die am Ende 3 Minuten hinter der neuen Deutschen Meisterin Lisa Brennauer vom Profiteam Ceratizit-WNT ankam. Mit Platz 32 ein toller Erfolg der schnellste Nordhessin auf zwei Rädern und ihrem gesamten Wheel Divas-Team

Eine Wheel Diva in Polen

Ein UCI-Rennen war angesagt – endlich einmal wieder. Dieses Mal ging es nach Golub-Dobrzyn in Polen. Am Freitag habe ich morgens noch gearbeitet, bevor es mit dem Zug nach Berlin ging. Statt also einer kleinen Vorbelastung auf dem Rad, hieß es: Puls im Zug, weil auf die Deutsche Bahn mal wieder alles andere als Verlass war. Egal, Ruhe bewahren. Kaum in Berlin schließlich angekommen, ging es in den Bus und Abfahrt nach Polen, dort kamen wir dann spätabends an. Jetzt nur noch schnell etwas snacken und nichts wie ins Bett. 

Am nächsten Tag ging es für mich glücklicherweise erst um 14 Uhr mit dem Zeitfahren los. Daher konnte ich mich ein wenig ausschlafen und im Anschluss die Strecke abfahren. Mein Start dann um 15:06. Die Aufregung war groß, weil ich noch nie mit Aufliegern gefahren bin, aber die Strecke war super: leicht wellig, perfekter Asphalt und größtenteils durch den Wald, also schattig und nicht so viel Wind. Während in Deutschland über 30° waren, war die Temperatur in Polen bei angenehmen 25°C. Das Zeitfahren lief super, ich konnte die ganze Zeit in der Aeroposition verbringen, auch wenn die Wattwerte ein bisschen höher hätten sein können. Das reichte für Platz 26 mit etwa 4 Minuten Rückstand auf Marta Jaskulska von der polnischen Nationalmannschaft und 3:30 Minuten hinter der besten Deutschen, Corinna Lechner vom Profi-Team Stuttgart. 

Die nächste Nacht hatte es in sich, denn wir waren in einem Hochzeitshotel untergebracht. Leider aber wurde es alles andere als romantisch, das hatte sich bereits beim Frühstück angebahnt. Der morgens geschmückte Saal füllte sich zum Abend und dann wurde ausgiebig Hochzeit gefeiert – mit Live-Band. Die Hochzeitsgesellschaft war auch recht ausdauernd: Bis früh um 5 Uhr wurde wild gefeiert. Dementsprechend zerknautscht ging es dann auch an den Start des Straßenrennens. Die erste Runde war ziemlich hart für mich. Die dicken Beine von gestern, zu wenig geschlafen, nervöses Feld … Dinge, die ich so nicht brauchte. Aber es wurde von Runde zu Runde besser. Ich wusste, wo die Schlaglöcher und der Sand nicht waren und steuerte darum herum. Dazu kam ein sehr steiler Stich, der aber immer besser für mich zu fahren war. Nach Runde 4 verabschiedeten sich die Juniorinnen, wodurch das Gedränge auch weniger wurde. Die letzte Runde wurde dann auf Position gefahren. Da ich dieses Jahr noch nicht so viel im Feld gefahren bin und auch einige spektakuläre Stürze beobachten konnte, habe ich versucht, mich aus allen riskanten Aktionen rauszuhalten. Bin dann einfach im Feld ins Ziel gerollt. Das bedeutete am Ende den 23. Platz unter 46 Fahrerinnen, nichts zu klagen also und ein schöner, solider Platz im Mittelfeld. 

Danach gab es »Katzenwäsche« und für 5 Stunden wieder ab in den Bus nach Berlin. Dort – natürlich – den letzten Zug nach Kassel verpasst und so musste ich die Nacht noch in Berlin verbringen, bevor es dann Montagmorgen mit der Bahn nach Kassel und wieder zur Arbeit ging.

Jasmin

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Berg und Zeit

Unser erster ernsthafter Test für ein Bergzeitfahren am Dörnberg ist definitiv gelungen. Es war ja im Voraus schwierig zu planen und wir hatten uns auf eine Anmeldung “unter dem Radar” entschieden und wollten den Fokus auf den Radsportbezirk Kassel legen. Gleichzeitig konnten so die Bezirksmeisterschaften Berg in 2020 doch noch ermöglicht werden.

Die Strecke ging über 6.5 km und etwas mehr als 200 Höhenmeter von Ahnatal-Weimar in Richtung Fürstenwald und von dort hinauf zum Dörnberg. Oben angekommen noch ein Knick nach Links und dann bis zum Ende der Straße am Café Helfensteine.

Alle Starterinnen und Starter zeigten vollen Einsatz und fuhren prima Zeiten. Aus Sicht der ZG: André fuhr im Bezirk in 12:29:33 Minuten auf einen tollen 2. Platz bei den Elite Amateuren, Jasmin ballerte in extrem schnellen 13:47:05 den Berg hinauf und Moritz schoß den Vogel bei den Amateuren ab und holte sich in 12:37:98 den Sieg. Exzellent.

Der Nachwuchs: Auch hier passten die Zeiten definitiv. Gian-Luca fährt mit 14:35:17 auf Platz 2 in der U17m, Sophie fährt in der U17w eine richtig gute 20:32:87 und Jan in der U15 – ebenfalls 1a – eine 16:04:91. Habt ihr sehr, sehr gut gemacht.

Bei den Senioren 3 legte sich Tommy mächtig ins Zeug, hatte aber wohl ein kleines Navigationsproblem auf der Strecke, was ihm dann auch richtig Zeit kostete. Dennoch am Ende immerhin eine mehr als ordentliche 15:27:46. Prima.

Mit Vollgas durch die Tiefgarage

Rennen in Zeiten von Corona? Gibt’s doch gar nicht. Gibt es wohl. André war bei einem Crit-Rennen in Erfurt für das Team Hannover FXD am Start. Und mit mächtigem Erfolg. Ein  superber Platz 2 wurde es. Lest seinen Bericht. 

Starten oder nicht starten? Aufgrund der erhöhten Ansteckungsgefahr bei solchen Veranstaltungen wollte das wohl überlegt sein. Das Konzept der Veranstaltung sah aber vielversprechend aus. Da das Rennen auf mehrere Vorläufe und zwei Finalläufe aufgeteilt war, waren immer nur relativ wenige Fahrer zusammen auf der Strecke. Dies und die Tatsache, dass die Form grad extrem gut zu sein schien, ließ die Entscheidung für einen Start fallen. Und: Der riesige Parkplatz und die klar kommunizierten Regeln für alle Anwesenden ließen durchaus eine etwas größere Menge an Menschen zu ohne sich dabei zu nahe zu kommen.

Ich wurde in den zweiten Vorlauf um 11:30 Uhr eingeteilt. Hier musste man eine Platzierung unter den ersten 6 Fahrern erreichen, um sich für das A-Finale zu qualifizieren. Ich konnte mich zusammen mit Jan Lietzke von den Puncheurz früh vom Rest des 15 Fahrer starken Feldes absetzen. Wir harmonierten gut und konnten auf den 9km einen Vorsprung von ca. 30 Sekunden herausfahren. In der Letzten engen kurve am Ausgang aus der Tiefgarage konnte ich die finale Attacke setzen und den Vorlauf für mich entscheiden. Mit der schnellsten Zeit aller Vorläufe konnte ich mir so sogar den besten Startplatz fürs Finale sichern – gestartet wurde übrigens mit 1,5m Abstand. Danach gab es erst mal ein Nickerchen im Auto, denn das A-Finale sollte erst um 15:15 starten. Vorher fanden noch das Rennen der Frauen und das B-Finale statt. 

Im Finale ging es dann gleich zur Sache. Ich konnte vom Start weg vorn fahren und das Tempo hoch halten. So stand schon in der ersten Runde eine siebenköpfige Gruppe mit Fahrern aus der Schweiz und Frankreich. Darunter unter anderem der starke Sprinter Tim Ceresa vom Team Look Crit und Jan Lietzke und Dominik Karrasch von den Puncheurz. Letztere sorgten immer wieder im Wechsel für Attacken, sodass es nur ganz selten mal langsam wurde. Entscheidend absetzen konnte sich allerdings nie jemand. Um einem Sprint aus dem Wege zu gehen setzte ich eingangs der letzten Runde dann meine Attacke. Ich konnte mich auch ein paar Meter absetzen und den Vorsprung in den technischen Passagen bei extrem hohem Tempo ein wenig ausbauen. Ausgangs der Tiefgarage lag ich noch immer vorn und es waren noch etwa 300m zu fahren. Nach der letzten Rechtskurve versuchte ich noch mal die allerletzten Reserven im Sprint herauszupressen, aber leider konnte sich der Red Hook erfahrene Franzose Tim Ceresa auf den letzten 10m noch an mir vorbeischieben. 

Gipfelsturm

Der dritte Lauf der GCA-Liga ging dieses Mal in die Höhe. Und es ging nicht irgendwie ein wenig nach oben. Nein. Es war richtig heftig. Es galt die »Alpe du Zwift« zu erklimmen. Der heftigste Anstieg in dem Programm über mehr als 12 Kilometer und mit durchschnittlich 8% im Schlussanstieg. Ein echter Berg.

70 Fahrerinnen kamen beim Frauenrennen ins Ziel. Jasmin wurde am Ende 20. und war nicht wirklich zufrieden mit ihrem Resultat. Im realen Rad-Leben ist solch ein Anstieg eine ihrer Stärken, an diesem Tag aber wollten die Beine nicht so. Das zeigten auch die Werte. Mit weniger als 4 Watt pro Kilogramm Körpergewicht an Leistung konnte es in diesem Rennen zu mehr nicht reichen. Aber kein Beinbruch, es kommen ja auch wieder andere Rennen. Alles ist gut. 

Bei den Jungs waren Samuel und Ben am Start. Insgesamt kamen 270 Männer ins Ziel. Samuel fuhr auf Platz 168 und Ben auf 219. Das passt auch bestens zu ihren Stärken unter freiem Himmel. Samuel ist ja nun bekannt für seine exzellenten Bergzeitfahren, daher eine ideale Strecke für ihn. Ganz anders dagegen Ben. Er ist ein sehr guter Taktiker, der als Allrounder seine Stärken im Sprint ausspielen kann. Insgesamt als prima Resultate für die beiden. Samuel dazu: »Die härteste Stunde auf dem Rennrad seit langem. Ein bisschen wie Meditation oder so, man blendet alles aus und es gibt nur noch treten, treten, treten.« Wir sind gespannt, was die kommenden Rennen bringen werden.