Hopp Schwizz

Am vergangenen Sonntag war neben unserem Großen Preis von Kassel noch ein ganz besonderes Rennen am Start, der GP des Kantons Aargau in Gippingen in seiner 58. Auflage. Das Rennen in der Schweiz ist ein Klassiker und die Siegerliste ist zum Zungeschnalzen. Im Rahmen der Bundesligarennen ist Karol dort mit dem LV Hessen am Start gewesen. Und die jungen Hessen machten es klasse. Zwei Mann in der Spitzengruppe, die aber den Sieger, Jan Christen, vom Pogiteam UAE ganz klar den Vortritt lassen mussten und dahinter Karol. Der ballerte als 14. ins Ziel. Nicht nur dieses Einzelergebnis ist fabelhaft, hinzu kommt, dass die Hessen damit an diesem Tag das stärkste Team stellten. Wir gratulieren.

Die Stadt und das Rad

Wie war er denn nun, der erste Große Preis von Kassel? Die Runde vom Königstor über die Willi-Allee, die nach einer Ewigkeit wieder reaktiviert wurde. Am Ende des Tages können wir sagen: Gut lief’s! Aber – und das kann nicht wegdiskutiert oder ignoriert werden – es gab auch ein echtes Ärgernis, dazu aber später.

Nach langer Vorbereitung konnten wir dank der Unterstützung der Stadt Kassel und deren Ämtern unsere alte Strecke im documenta-Jahr wieder nutzen. Nachhaltigkeit ist ja ein zentraler Baustein der Kunstausstellung, und das trifft dann eben auch auf bereits bewährte Strecken und Rennen zu. So soll das sein. Als klar war, dass es klappen würde, mussten wir „nur noch“ ausreichend Sponsorengelder einwerben, denn die Kosten innerhalb der Stadt selbst bei einem so kurzen Rennen sind immens. Wir können unseren vielen, vielen Unterstützern gar nicht genug danken – Merci, Grazie, Gracias, Arigato, THX, Kiitos. Ohne euch keine Veranstaltung. 

Die Voranmeldungen bewegten sich auf dem erwarteten Niveau und reihten sich damit ein in den derzeit doch eher verhaltenen Aktivitätsindex der Sportlerinnen und Sportler bundesweit. Egal, welche Veranstaltung, bis zum Vor-Corona-Niveau wird’s noch dauern. Dann der Tag X, wir bauen auf. Dank Rainers Orga sind a) ausreichend ZGlerInnen vor Ort und wussten b) auch alle, was zu tun war. Kurz vor dem Renntag musste Rainer noch mal alles geben, die NADA meldete sich zu Dopingtests an. Was ein Glück, dass uns Remko Bornmann mit seinem Ladengeschäft in unmittelbarer Nähe zur Verfügung stand – war auch das geklärt. 

Nummernausgabe und Nachmeldungen haben wir dann ganz „oldschool“ mit Papier gemacht. Roman hätte es zwar gerne immer so digital wie möglich, Bernd wusste aber, dass es klassisch auch sehr gut funktioniert. So war’s dann auch. Bei der Ergebnisaufnahme wurde dann gemixt. Viele Augen und Papier auf dem Wagen plus die bewährte Zielkamera-App ergeben am Ende ein sauberes Resultat mit nur wenigen nachträglichen Änderungen. 

9:30 Uhr und los ging’s mit dem ersten Rennen. Übersichtliche Nachwuchsklassen der U11 bis U15 und dafür für unsere Jungs in Blau-Gelb die Chance, wertvolle Erfahrungen zu sammeln, und das galt ebenso für die weiteren SportlerInnen der Region, wie den Mädels aus Melsungen. Auch sie profitierten von einer kurzen Anreise und Rennsport ohne Druck. Kurzum: Jana, Gustav, Niklas und Daliah haben das prima gemacht. Das Podest der U13m: 1. Anton Paul vom RSG Hannover, 2. Julian Seng vom RSV FROH Fulda und 3. Nikita Liebhaber ebenfalls aus Hannover. Die Mädels: Erste wurde Victoria Liebhaber aus Hannover vor Ihrer Schwester Xenia und Jana Sandrock aus Melsungen. In der U11 hat uns Till Nieländer aus Gütersloh seinen Speed gezeigt. Die männliche U15 war mit vielen schnellen Beinen besetzt. So zeigte Lunis Govers vom Tuspo Weende bereits im Rohloff-Cup, was er kann. Und das setzte er auch am Sonntag um. Sieg vor Nico Matteo Baretti aus Gütersloh und Kalle Trumann aus Bielefeld.

Im Anschluss waren die Senioren 4 am Start. Wir freuen uns immer auf gut gefüllte Starterlisten in dieser Klasse und werden auch quasi nie enttäuscht, so auch an diesem Sonntag. Am Ende kann Jürgen Soop vom RSV Düsseldorf-Rath/Ratingen die stark fahrenden Fahrer des Masters radroo-team um Marco Grossegger und Dieter Vorbeck in Schach halten und siegt. Die nordhessischen Fahnen hielten Thomas Linder (ZG) auf Platz 8 sowie Hans-Jürgen Ludwig (RSC Fuldabrück) auf Platz 13 hoch. 

Es kam das Rennen der Senioren 3. Mit Platz 7 und 8 von Viktor Slavik (Masters radroo Team) und Ulli Welke (KSV Baunatal) waren damit die besten Nordhessen platziert. Vorne spielte die Musik des RSV Gütersloh. Zwischen dem Sieger Andreas Jung und dem Dritten Bernd Brune konnte sich Lars Geissler vom Osnabrücker Sportclub auf Platz 2 in Szene setzen. Wie bereits die vorherigen Rennen, lief es im Feld sehr gesittet und souverän ab, dann der Zieleinlauf. Nachdem alle Fahrer das Ziel erreicht hatten, freuten wir uns alle darauf, dass uns die Kunstradfahrerinnen vom RSC Ahnatal-Weimar ihr Können zeigen konnten. Kaum gefreut, krachte es auch schon. Aus dem – für uns gefühlten – Nichts fuhr tatsächlich noch ein Fahrer ins Ziel. Hatte er das Ende nicht mitbekommen? Hatte ein Ordner was übersehen? Hatten wir zu schlecht gesichert und einfach geschlafen? Letztlich wird es wohl der Klassiker einer Verkettung von Umständen gewesen sein. Wir wissen, dass das der betroffenen jungen Sportlerin jetzt absolut nichts mehr hilft, aber wir ärgern uns gigantisch, dass so etwas überhaupt passieren konnte. Fühl dich von allen gedrückt und komm ganz schnell wieder aufs Rad. 

Nach dem Schrecken ging das Programm mit der zahlenmäßig stärksten Klasse, den Amateuren, weiter. Da auch hier Kriterium gefahren wurde, konnte man davon ausgehen, dass Fahrer mit Erfahrung in den Läufen zum Rohloff-Cup auch hier eine Rolle spielen würden. Namentlich Christian Plessing aus Melsungen, Dario Ernst aus Baunatal sowie der für BSV AdW Berlin startende Markus Regenbogen. Und die drei machten ihren Job gut. Aber: drei andere waren an diesem Tag einfach besser. Es siegte Marcel Klute vom RSV Geseke vor Mario Carl vom LEEZE Vermarc Racing Team und Tim Kristian Liebe vom Team MaxWatt. Glückwunsch an alle. 

Die Elite Frauen teilte sich die Strecke im nachfolgenden Rennen mit der weiblichen U19 sowie einer starken männlichen U17. Ein Umstand, der nicht überall in der weiblichen Rennszene gut ankommt, denn in einer solchen Konkurrenz wird entsprechend hart und schnell gefahren. Nun könnte man denken: „Super, dann sollten ja alle starken Fahrerinnen sich freuen und am Start stehen.“ Weit gefehlt, das Gegenteil ist der Fall. Viel zu wenige Fahrerinnen waren am Start. Wo waren die nur alle? Und wie das Problem lösen? Ein Hobby-Rennen installieren und so auf mächtig Zuspruch hoffen? Wir stehen vor einem Henne-Ei-Problem. Mal schauen, was uns als Antwort in Zukunft darauf einfällt, schließlich haben wir mit Jasmin Corso nicht nur die schnellsten weiblichen Beine Nordhessens im Verein, sondern auch einen scharfen Verstand mit guten Ideen. Zum Rennen: Es gewinnt die bärenstarke Bianca Bernhard vom Project19VeloClub vor der immer schnellen Stefanie Paul vom Stevens MTB Racing Team und Jasmin. Annika ist nicht nur aktuell in unserem Verein das einzige schnelle U19-Mädel, sondern auch in ganz Hessen eine von gaaaanz wenigen. Leider war sie nach einem Infekt einfach noch nicht fit genug für die selektive und harte Strecke. Logische Konsequenz: ein DNF. Aber Annika ist eigentlich aktuell in guter Form, die wird sie beim nächsten (Bundesliga-)Rennen sicher wieder zeigen können. Bei den Jungs hatte Joshua Sandrock aus Melsungen einen schweren Stand, machte es mit Platz 4 aber prima. Mit Maxim Roor kam der Sieger vom RSV Gütersloh. Ihm folgten aufs Podest Hendrik Helml aus Hannover sowie Tim Diedrichs vom TSVE 1890 Bielefeld. 

Dann die U19 männlich. Hier zeigt sich das Nachwuchsdilemma überdeutlich. Im Normalfall erwartet man ein blitzsauberes Feld > 20 Fahrer, denn für die Vereine ist es enorm wichtig, viele Fahrer in dieser Altersklasse zu präsentieren, um dann im Übergang zur „Erwachsenenwelt“ ausreichend Sportler mitnehmen zu können. Gut, dass wir als ZG in diesem Jahr gleich acht Jungs vorzeigen können, drei davon konnten wir an diesem Sonntag an den Start bringen. Für Kalle war klar: hart würde es werden, Erfahrungen machen. Gian-Luca hatte noch am Mittwochabend unschöne Erfahrungen auf dem nassen Teer des Übungsplatzes machen müssen, daher die Bitte mehr mit dem Verstand als den Beinen zu arbeiten und für Leo galt: neue Maschine, Feuer frei. Alle Drei waren am Ende voll im Soll. An ihrer Seite waren die einzigen beiden Jungs vom STEVENS Juniorenteam Thüringen, die nicht in der Schweiz beim Bundesliga-Rennen in Gippigen am Start waren sowie Mika Gerberding vom RSC Hildesheim. Jakob Vogt aus Breitenworbis zog bereits in Runde zwei unwiderstehlich an und brachte das Ding souverän nach Hause. Dahinter war es lange Zeit ein heißer Tanz zwischen dem Erfurter Maximilian Katarzynski sowie Leo, bei dem Leo leider am Ende den Kürzeren zog – aber ein toller dritter Platz. Und Konkurrenz aufgemerkt: Leo hat erst eine Handvoll Rennen hinter sich, da ist noch jede Menge Luft nach oben. Gian-Luca war es dann zur Rennmitte leid, sich mit Mika Gerberding im Kreis zu drehen, ein beherzter Angriff und der Drops war gelutscht. Ein schöner vierter Platz für ihn. Kalle schließlich mit ganz vielen Mentalpunkten im Ziel. Gut gemacht und auch er noch mit jeder Menge Potenzial, das es zu heben gilt. Apropos Schweiz: Unser Karol fährt auf einen fantastischen 14. Platz in Gippigen an diesem Tag. Unfassbar, spektakulär, Wahnsinn. Dazu mit dem Team Hessen auf Nummer 1. Wo soll das noch hinführen?

Und dann: Dopingkontrolle. Die NADA stand vor der Tür und aus der U19 wurden Fahrer zur Kontrolle ausgewählt. Wie wir das finden? Spitze! Ein ganz wichtiges Zeichen nicht nur nach innen zu den SportlerInnen hin, sondern auch nach außen. Noch eine andere Sportart, bei der in Amateurveranstaltungen kontrolliert wird? Mal kurz überlegen……hm…ah, fast vergessen, woanders gibt’s ja keine Probleme. Oder der Märchen-Onkel erzählt, dass es in seiner Sportart doch gar nix bringen würde. Seien wir nicht naiv, jede Wettkampfsportart kann/wird von wenigen Schwachköpfen missbraucht. Übrigens war dies bereits die zweite Kontrolle eines Rennens innerhalb weniger Wochen, die wir selbst mitbekommen haben. Super. Viel, viel mehr davon. 

Letztes Rennen, noch mal volle Konzentration. Die Elite Männer. Mit diesem ganzen Auf- und Abstiegsgedöns wurde die Startliste etwas umhergewirbelt, hatten wir aber schließlich im Griff. Falls sich der BDR doch irgendwann noch zu einer Reform der Reform durchringen würde, wir würden es begrüßen – schlimmer wird’s ja nicht mehr werden. Nun alle Augen auf den Kasseler Oberbürgermeister Christian Geselle, der senkte die farblich korrekte Startflagge und ab ging die wilde Hatz. Schon im Voraus war klar, dass es für die Konkurrenz darum gehen würde, sich gegen das taktisch fahrende und sehr gut besetzte Melsunger Team durchzusetzen. Das erste Renndrittel mit den ersten Wertungspunkten war noch recht offen, dann aber mussten Max Feger, Axel Hauschke und Christian Herr anderen den Vortritt lassen. Philipp Plambeck von der Hamburger RG hatte den vollen Überblick und fuhr einen ganz starken Sieg ein. Dahinter ließ das STEVENS Racing Team um Alexander Hötte und Julien Essers nichts anbrennen – das Podium war komplett. Die Ergebnisfindung wurde bei den schnellsten Jungs umgestellt. Hatte der Wettfahrausschuss zuvor noch auf die Herausnahme einzelner Fahrer verzichtet, wurde in diesem Rennen davon Gebrauch gemacht. Unschön für die diejenigen mit längerer Anfahrt und dann – leider – weniger Runden, aber entspannter für den Rest und einfacher für das Ergebnis. Kaum war das Rennen gelaufen, kamen unsere Freunde der NADA auch wieder ins Spiel. Ab zur Kontrolle hieß es, die bei einigen doch mächtig Zeit in Anspruch nahm.

Fazit: Bis auf den extrem ärgerlichen Unfall eine aus unseren Augen rundum gelungene Veranstaltung. Ja, Verbesserungsbedarf ist immer. Wir haben bereits jetzt eine erste Liste mit Änderungsideen. Für uns ist klar, dass Radrennen nicht ins Industriegebiet gehören, sondern mitten rein in Städte und Gemeinden. Wenn schon das Rad das entscheidende Individualverkehrsmittel der Zukunft sein soll, dann muss der Sport das auch zentral abbilden können und dürfen. Wir von der ZG werden weiter machen mit jeder Menge Veranstaltungen. Ihr Sportler könnt uns dabei unterstützen. Kommt zu unseren Rennen. Weiter geht’s mit dem Rohloff-Cup, unseren Gravelern an jedem Donnerstag, der wunderbaren RTF plus Gravelstrecke am 14. August und dann folgt die Cross-Saison.

Hier kommt ihr zu den Bildern des Tages.

Jasmin auf MTB

Ach guck, die dicken Reifen lassen sich wohl auch flott bewegen. André und Jasmin haben das in Waldaschaff faaast perfekt umgesetzt. Bei André lief’s richtig super – klar, denn kleine Anlieger und jede Menge Technik, das ist sein Spielfeld. Dann kam ein Stein, ein Puff und vorbei war’s. So ein 🤬

Wesentlich besser bei Jasmin. Die jüngeren Frauen mit Vorgabe am Start, Jasmin 60 Sekunden hinten an. Und dann: Ab geht die Post. Sie fräst sich durchs Feld ganz nach vorne. Eine ganz feiner Sieg. Gratulation.🏆🥇

Bundesliga

Karbach rief unsere U19. Eine ausgemacht anspruchsvolle Strecke und mehrere Vorgaben für unseren Nachwuchs: Während Karol im Landeskader schon lange weiß, wie und wo der Renn-Hase läuft, sollten Johann, Leo und Gian-Luca wertvolle Erfahrungen sammeln. Dazu noch Annika, die in dieser Saison im Trikot des Vermac-Teams am Start steht. Für Sie lief es nach einer eher sehr durchwachsenen Vorbereitung wirklich gut. Immerhin sind wir gerade im Mai, das Jahr hat noch einiges zu bieten. Alle Anstiege meisterte sie prima und konnte nicht abgeschüttelt werden – es hätte sogar ruhig noch länger dauern dürfen für unsere Ausdauerkönigin. Am Ende die ersten beiden Punkte der BuLi-Wertung. Super gemacht. Jetzt weiter dranbleiben und Rennen für Rennen die Form ausbauen.

Karol war genau dort, wo die berühmte Musik spielt – gerne vorne. Zwei Mal machte er sich an der Steigung alleine auf den Weg, wurde aber immer wieder geschnappt. Beim Finish verhaspelte sich dann die Kette blöderweise und er kam als 34 rein. Eine blitzsaubere Leistung, Karol. Und die anderen? Wie Karbach-üblich kam es zu einigen Stürzen. So lag vor Leo ein Haufen Alu und Carbon, dem er durch den Graben gerade noch ausweichen konnte und Johann schürfte etwas unsanft über den Teer – alles aber nicht so wild. Dennoch mussten die beiden und Gian-Luca abreißen lassen. Am Ende stand nach 60-80 km ein DNF für die drei auf dem Zettel. Nicht schlimm, im Gegenteil. Super Erfahrung und die Gewissheit, dass unsere Jungs richtig treten können und mit mehr Erfahrung in Zukunft auch ein Wort bei solchen Rennen mitsprechen werden.

HM Straße 2022

Ein guter Tag für Blau-Gelb in Thüringen. Thüringen? Genau. Der HRV fährt seine Meisterschaften immer mit weiteren Landesverbänden aus. Und mussten wir in der Vergangenheit Abenteuerreisen in die wildesten westlichen Winkel der Republik machen, war’s dieses Mal einfacher. Knappe zwei Stunden Fahrzeit über eine quasi Pkw-freie A38 inklusive einfach zu fahrender Bundesstraße – damit können wir als Nordhessen sehr gut leben. Das Ziel: Leubingen bei Sömmerda.

Nicht zu heiß, nicht zu kalt. Bei traumhaften Radwetter ging es dann auf die 10 km-Runde. Ausgebaute Wirtschaftswege und nicht eine Querung oder Kreuzung mit einer „normalen“ Straße. Einfacher kann man wohl keinen Kurs absperren. Dazu eindeutig wellig (Faktor 10) mit einem Stück schlechterem Weg, einer flotten Abfahrt zum Ziel (ist alles gut gegangen) und Wind, der auf einem Teilstück in den ersten Rennen stand. 

André ist aktuell so etwas wie unserer „letzten Mohikaner“ bei den Männern der Elite und Amateure. Lukas und Ben verletzt, Samuel, Tobi und die anderen nicht am Start – das war auch schon mal besser. Und es lief auch wirklich nicht schlecht bei André. Er hat ja einen feinen Renn-Instinkt und fährt stets exzellent platziert im Feld. Dumm nur, dass es ein Kommunikationsproblem mit dem Getränk gab. Als Jürgen dann die Flasche reichen wollte, war’s schon zu spät und der Kommissär warf ihm einen bösen Blick zu. Gut, dass André das auch verstanden hatte und erst gar nicht zugriff. So aber kam es auf den letzten Kilometern zu Krämpfen bei ihm; nichts ging mehr. Schade, da war mehr drin als Platz 11. Beim nächsten Mal dann aber, da sind wir uns sicher. 

In den unteren U-Klassen haben wir aktuell nichts zu bieten. Scheint fast so, als ob die Auswirkungen des kleinen Mist-Virus uns erst jetzt richtig treffen würden. Wir arbeiten aber hart daran, dies wieder auf Normalniveau zu hieven. Jungs sind da, die brauchen nur Zeit; hier haben wir bereits 2023 im Blick. Paradestück der ZG in Sachen Masse und Klasse ist Jürgens U19. Der neue Coach bringt sich mächtig ein und die Jungs ziehen mit. Karol fährt bereits in seinem ersten Jahr beeindruckend und ist die unangefochtene Nummer eins. Und dazu hätte es fast auch in Leubingen gereicht. Knapp geschlagen am Ende Vizemeister. Gratulation. Dazu Johann und Gian-Luca, die lange im Feld der Elite/Amateure/U19 mithalten konnten. Eine echte Energieleistung der beiden. Und noch Leo. Der haderte ja als „Frischling“ in den letzten Rennen ganz schrecklich mit sich und der Radsportwelt. In Leubingen aber war er von Anfang bis Ende mit dem Kopf im Rennen und lieferte super ab. In der letzten Runde schnappte er sich sogar noch den vollkommen abgekämpften Gian-Luca. Das Teamergebnis: Die Plätze 2, 4, 5 und 6. Bombe. 

Weiteren großen Glanz in die blau-gelbe Hütte brachten unsere Frauen. Jasmin und Annika sind die schnellsten hessischen Mädels; Jasmin in der Frauen Elite und Annika in der U19w. Ganz bitter aber ist das Startergebnis. Es gibt viele weitere Frauen mit Lizenzen, nur: Wo sind die alle? Unser Aufruf daher: Wenn ihr schon so ein kleines Plastikkärtchen habt, dann stellt euch dem Wettbewerb. Nur so kommt der Frauenradsport voran, nicht mit trainieren und fahren im stillen Kämmerlein. Und wenn ihr Frauen und Mädels wirklich sinnvoll trainieren und fahren lernen möchtet, dann empfehlen wir euch Jasmins Freitagstraining. Zurück zum Rennen. Jasmin verhaspelte sich irgendwie beim Start mit Aufstellung und Losfahren und musste sich dann von ganz hinten vorarbeiten. Das geht auch besser und macht das Rennen dann entscheidend einfacher. Ist aber noch mal gut gegangen. Annika kann den Speed des Feldes definitiv mitgehen, hat aber noch Defizite bei den Attacken, die sie dann entscheidend zurückwerfen. Das Problem ist bekannt und ihr Trainingsplan ist darauf zugeschnitten, das zu beheben. Schon immer beeindruckend ist ihre exzellente Motivation. So fährt Frau auch auf 1. 

Senioren in blau-gelb? Aber sicher doch. Sven und Holger waren bei den Senioren 3 am Start. Sven ist ja ganz frisch bei uns und zeigte schon in den letzten Wochen, dass er wild entschlossen ist, Rennen zu fahren. Je mehr, desto besser. Das zahlt sich aus. Rennen um Rennen werden die Platzierungen besser, an diesem Wochenende Platz 5. Große Klasse. Schließlich Holger. Sicher der einzige Mensch, der noch am Stadtrad eine Wattmessung hat. Und einer mit jeder Menge brachialer Leistung. Warum er die etwa beim Rohloff-Cup nicht immer optimal abrufen kann, wird wohl auf ewig sein Geheimnis bleiben. An diesem Tag aber lief es super. Platz 3 und Podium für Holger. Wir freuen uns mächtig für ihn und ziehen den Helm vor so viel Kraft und Klasse. 

Fazit: Erfolgreiche Meisterschaften für unsere Fahrerinnen und Fahrer. Eine sehr gute Strecke. Ordentliche Orga und ein leckeres Grillwürstchen. Super Wetter. Einziges Manko, die gemeinsamen Starts. Wenn man schon ein 10 km-Rund hat, dann wäre es doch ein Leichtes, hier zu differenzieren. Das war schon teils wirklich  wüst, da man sich als FahrerIn einer schwächeren Leistungsklasse mit etwas Glück und Können bereits nach den ersten Attacken der stärkeren Klassen in der Führungsgruppe wiederfinden konnte – keine Chance mehr für die anderen da ran zu kommen. So etwas wäre bei einem dedizierten Start der einzelnen Klassen nicht  möglich. Und nur ein klitzekleinwenig Kommunikation vom Wagen wäre auch super. So gar nix sagen hinterlässt auch beim Fachpublikum meist Achselzucken. Aber wir wollen keine Meckerfritzen sein, denn wir wissen wie schwierig es ist, Veranstaltungen aus dem Boden zu stampfen. Daher: Danke nach Thüringen für’s Engagement. Wir kommen immer wieder gerne. 

Superkool Krit 2022

Unser Duo Infernale – Jasmin und André – standen beim Rennen in Erfurt mal wieder mit nur mit einem Gang und ohne Bremsen oder Freilauf am Start. Und? Ging gut? Ging sehr gut!

Die Daten: 800 m Rundkurs mit vier 90° und zwei 180° Kurven. Dazu eine leicht ansteigende Zielgerade bei ordentlich Wind und Sonne. Das Ganze auf dem Parkplatz der Erfurter Messe als Rahmenprogramm der Sport Aktiv Messe. 25 Runden für die Frauen und 35 Runden für die Männer. Schlussfolgerung: Die Übersetzung wollte weise gewählt sein. Wind und Streckenführung machte die Entscheidung hier nicht leicht. 

Pünktlich zum Start des Rennens der Frauen kamen die Zuschauer vom Messegelände an die Strecke. Und dann ging es auch schon los. Das Rennen begann verhalten, bis es zur ersten Attacke der Schweizer Favoritin Selina Burch kam. Sie konnte sich schnell absetzen und einen großen Vorsprung herausfahren. Jasmin fand nach anfänglichen Schwierigkeiten in den Kurven immer besser ins Rennen und konnte sich nach mehreren Attacken ebenfalls allein vom Feld absetzen. Die gewählte Übersetzung von 50/17 war anfänglich etwas kurz, erwies sich aber im Verlauf des Rennens als sehr gute Wahl. Sie fuhr unbeirrt ihre Runden, um schließlich ungefährdet einen exzellenten zweiten Platz einzufahren. 

Beim anschließenden Rennen der Männer setzte André direkt eine Startattacke, um möglichen Stürzen in den technischen Kurven aus dem Weg zu gehen. Mit 51/15 hatte er ziemlich dick gekettet, kam aber trotzdem recht flüssig voran. Nach etwa 5 Runden stand dann auch die Führungsgruppe mit fünf Fahrern. Trotz einzelner Vorstöße der verschiedenen Fahrer lief die Gruppe gut und konnte sich bis zum Ende des Rennens behaupten. In den letzten Runden wurde sich dann belauert und Jacob Liebs setzte die erste ernste Attacke. Die Gruppe lief aber wieder zusammen. In der letzten Runde attackierte André kurz vor der technischen Kurvenkombination, um einem Sprint aus dem Wege zu gehen. Das Loch war auf der Zielgeraden auch da, aber Falco Bachmann konnte seine Sprintstärke noch voll ausspielen und das Rennen auf den letzten Metern für sich entscheiden. Am Ende war die Übersetzung dann möglicherweise doch ein wenig zu dick, sodass die letzten Körner für einen Sprint einfach fehlten. 

Fazit: SuperKooles Rennen zum Start in die Fixed Crit Saison. Exzellente Fotos von Pia-Sophie Nowak; alle Rechte bei (@piarazzi). Danke für’s Nutzendürfen.