Frauen auf Bergen

Der Bericht zum Gipfelsturm von Nicole

Wie alles begann: Jasmin fragte mich: „Hey, meine Freundin Marion organisiert eine Radreise in den Pyrenäen. Hast du Lust mitzukommen.“ Meine Antwort: „Schaffe ich das?“ Jasmin sagte: „Ja“. Also sagte ich zu.  Als dann aber die Reisebeschreibung kam, dachte ich mir nur: Was habe ich getan? Aber fördern und fordern sind mein Motto. Also ging es am Freitag, dem 6. August 2021, in Richtung Girona los. Von 15 Grad leichter Nieselregen in 30 Grad Sonnenschein; in Frankfurt stieß Marion dazu. 

Wir starteten in Girona am 7. August 2021 mit einem lockeren Einrollen, so jedenfalls der Plan. Locker war allerdings nach 20.000 Schritten Sightseeing durch die herrliche Altstadt, diversen Kaffee-Stopps und dem Wetterwechsel nichts. Dennoch war es eine schöne, wellige und kurze Runde zum Einrollen. Am Samstagabend trafen wir dann die gesamte Gruppe. Marion hatte die Reise mit ihren drei Studienfreunden organisiert und jeder konnte noch eine oder zwei Personen einladen. So kamen wir insgesamt auf neun TeilnehmerInnen. Sonntagmorgen sollte es um 9 Uhr losgehen.

Pünktlich um 9:30 Uhr ging es an den Start unserer ersten Etappe nach Castellar de n’Hug. 115 km mit 2280 hm. In 3 Wellen ging es bei über 30 Grad über kleine Straßen und den Coll de Santigosa sowie den Coll de la Creueta nach oben. Dort angekommen musste ich erst mal eine eiskalte Coke trinken und ahnte bereits, dass ich ab jetzt wohl an jedem Radtag die beste Cola meines Lebens trinken werden würde. Castellar de n’Hug selbst war klein und verfügte nur über sehr eingeschränkte Übernachtungsmöglichkeiten, aber die fantastische Eisdiele und das leckere ortstypische Abendessen machten dies locker wett. 

Am nächsten Morgen starteten wir mit dem Abschlussteil des Coll de la Creueta (1888 m). Bereits um 9 Uhr herrschten hohe Temperaturen. Oder war es eher die Steigung von zu Beginn an über 10 %, die uns zum Schwitzen brachte? Wahrscheinlich beides. Aber es eröffnete sich bereits auf der Auffahrt ein unbeschreiblicher Blick in die Weite des Tales. Nach einer langen Abfahrt folgte die Fahrt nach Frankreich und nach dem Überqueren des Collada de Tosses gab es einen leckeren Lunch an einem See. Es gab Süßes & Saures. Pau organisierte jeden Tag regionalen Käse und Wurst, Baguette sowie regionale Früchte und kleine Küchlein; die Chips waren eher international.

Nach der Pause ging es Richtung Ax-les-Thermes über den Col de Pailleres (2001 m). Die durchschnittliche Steigung gab Pau mit 7,9 % auf 9 km an. Es zeigte sich bereits hier: Vertraue niemals der durchschnittlichen Steigung. Bei gefühlten 30 Grad im Schatten zeigte sich, dass dieser Anstieg einen dahinschmelzen lässt. Aber auch hier wurde man mit einem sagenhaften Ausblick belohnt. 

Tag 3 wurde mit 100 km bei 1800 hm als Erholungsetappe ausgelobt. Nachdem es erst 20 km bergab gegangen war, ging es anschließend 25 km zum Col de Lers bergauf. Auch hier hörten sich zunächst 25 km bei 4 % Steigung harmloser an, als es war, oder wie Michael nach 12 km mit durchschnittlicher Steigung von 2 % sagte: „die echte Mutti kommt erst noch“. Und sie kam. Bei dem verbliebenen Anstieg durfte man sich über Schattenpassagen freuen und lernen, dass auch eine Steigung von 8 % geeignet ist, sich zu erholen. Nach einer rasanten kurzen Abfahrt ging es dann kurz hoch zum Col d´Agnes. Nach einer Mittagspause fuhren wir hinunter nach Saint Girons, wo wir in einem Schloss übernachteten. 

Tag 4 war Hochzeitstag, nur diesmal ohne Ehemann. Es würde der härteste Hochzeitstag meines Lebens werden mit der sogenannte „Queen-Stage“, bei der es zunächst über den Col du Portet d´Aspet und anschließend den Col de Mente´ ging. Harmlos schlängelten sich bei beiden Bergen schmale Straßen gen Gipfel, um mit teils giftigen Steigungen aufzuwarten. Danach ging es hoch zum Col de Peyresourde. Der gesamte Anstieg von 15 km lag in der prallen Sonne. Die letzten 2 km waren einsehbar und ich war schon erstaunt, wie lang 2 km sein können. Belohnt wurde man wieder mit einem unglaublichen Ausblick und einer schicken Abfahrt. Über idyllische Straßen ging es zum Zielort Saint-Lary-Soulan. Am Schluss standen 122 km mit 2900 hm auf dem Tacho. 

Tag 5: der Tag des Tourmalet und meine persönliche Queen-Stage. Gesammelt habe ich an diesem Tag 75 km und 1950 hm. Als Vorspeise gab es den Col de Hourquette d´Ancizan (1564m) mit 10 km Anfahrt bei 8 % Steigung (1564m) und als Hauptgang den Col du Tourmalet (2115m), so zusagen das Dach der Reise. Den Tourmalet sind wir von Osten angefahren und konnten so eine 17 km lange Auffahrt genießen. Die bekannten Beschreibungen, dass nach 10 km die angenehme Steigung ein jähes Ende findet, man denkt, man führe gegen eine Wand und die karge Landschaft um Mongi herum erleichtere die Sache nicht, sind zutreffend. Trost konnten die Waldpassagen bei km 12 und die Überdachungen spenden. Weniger Trost spendeten die alle km aufgestellten Schilder, die einem zeigten, was der nächste Kilometer geschlagen hat.

Diese Hinweisschilder gab es auch bei dem ein oder anderen Berg. Am Gipfel gab es die – mal wieder – beste Cola meines Lebens und ich wurde mit einer herrlichen Abfahrt belohnt. Allerdings waren die Temperaturen so, dass man dachte, man wird heiß geföhnt. In Luz-Saint-Sauveur waren wir in einem historischen Hotel untergebracht.

Am letzten Tag fuhren wir nach Gavernie. 20 km mit 800 m Steigung fühlen sich nach den vergangenen Tagen gar nicht mehr so schwer an. Nach einer Wanderung zu den Wasserfällen von Gavernie und der anschließenden Rückfahrt freuten sich jedenfalls meine Beine schon auf den Tag der Abreise, dem Wiedersehen mit der Familie und mal einen Tag die Füße stillhalten. 

Eure Nicole

Die RTF lebt

Irgendwie hat das Wort Radtourenfahrt – oder auch RTF – für viele ein leicht angestaubtes Image. Warum eigentlich? Unserer Meinung nach gibt’s dafür definitiv keinen Grund. Betrachtet man etwa die Einträge einiger Sportfreunde auf der beliebten Plattform Strava, dann erkennt man, dass immer wieder neue Strecken gesucht und gefahren werden und die Kilometerleistungen nicht zu knapp sind. Was liegt da näher, als die Online-Welt wieder mit der realen eben durch eine RTF zu verknüpfen?

Genau das hat hervorragend am 08.08. geklappt. Fast 220 Starter, davon 30 auf der Marathonstrecke sind für uns ein schickes Ergebnis. Ältere Semester werden anführen, dass früher – ja früher – alles x-mal so groß war, aber das wollen wir nicht gelten lassen. Es liegt an uns Veranstaltern, ein attraktives Angebot zu machen. Daneben spielt immer das Wetter die entscheidende Rolle – auch das hat an diesem Sonntag gestimmt. Insgesamt sind wir als Verein sicher, trotz der erneuten Corona-Einschränkungen ein schickes Event auf die Beine gestellt zu haben. Eines, das uns Mut macht, es weiter auszubauen und auch in den kommenden Jahren allen RadfahrerInnen von der kurzen Ausfahrt bis zur harten sportlichen Herausforderung jede Menge Radspaß zu bieten. 

Danke an euch alle. An die vielen Fahrerinnen und Fahrer, an die Helferinnen und Helfer, an das Mitspielen vom Fährmann in Hemeln, an das dortige Gasthaus zur Fähre und an die leckeren antialkoholischen Getränke von Krombacher. Ihr zusammen macht die Veranstaltung zu dem, was sie ist: eine der schönsten RTFs im ganzen Land. 

Danke.

Eine Bilderstrecke findet ihr direkt auf unserer RTF-Seite. Klickt hier.

Ganz ohne Schrecken

RTF in Schrecksbach, bestens organisiert von der dortigen Radsportgruppe im VfB. Johanna und Roman machten sich um 8:30 Uhr auf die Räder und auf die 110km-Strecke. 

Bedeckter Himmel, knapp 20 Grad, feines Radwetter. Entsprechend gut rollte es an. Die Tour ging über verschlafene Dörfer und Seitenstraßen mit so gut wie keinem Pkw-Verkehr. So macht das Spaß. Nach der ersten Kontrollstelle konnten wir uns an eine Gruppe andocken. „Wo kommt ihr her?“ Was fahrt ihr?“ – etwas Smalltalk und dazu das mittlerweile übliche „bis wohin unterstützt denn der Motor?“, denn wir waren doch schön flott unterwegs. Und erstaunlich, dass ein E-Antrieb von manchen der RTF-Hardcore-Profis immer noch mit einem abschätzenden Blick wahrgenommen wird. 

Nach jedem kleinen Anstieg das gleiche Bild: Johanna und Roman sind kurz vor der Kuppe, nehmen raus und kurze Zeit später beamt sich das grüne Trikot an uns vorbei – wir warten auf den Rest, dachten, das würde man so machen. Passte aber wohl irgendwie nicht in die Tour-Taktik des Leaders. Und: Wer will sich schon von einer Frau und einem komischen Typen mit E-Bike abhängen lassen? Ok, wir hatten verstanden, hingen uns artig bis zum nächsten Kontrollpunkt an die schweigende 1er-Reihe hinten an und ließen danach den Team-Captain vom Cannondale-Team seine Truppe alleine ins Ziel bringen; manche machen eben aus einer RTF ein Rennen. Nicht schlimm, wenigstens wir hatten jede Menge Spaß und es gab eh noch genug zu quatschen. Also weiter. 

Perfektes Timing dann am Ende von uns: Einfahrt ins Ziel, der letzte Stempel und dann 1x Pommes, 1x Wurst und 2x alkfreies Sponsorenbier. Und schon fängt der Regen an. Gut aber für alle, die noch auf der Strecke waren – es schauerte nur wenige Minuten. Für uns war noch Zeit für Kaffe und Kuchen. Dann noch schnell das obligatorische Kuchenblech für die Lieben zu Hause einpacken lasen und heimwärts. Insgesamt eine tolle Veranstaltung. RTF kann man wirklich jedem und jeder ans Herz legen. Ihr seht viel Neues, braucht keine Navi und werdet verpflegt. Geht kaum besser. 

Was gab’s als Verpflegung?

Eingepackte Schokobrötchen, salzige Cracker, ein paar Riegel und noch Apfelschnitzen sowie Bananen. Dazu Wasser, Iso oder A-Saft-Schorle und Nachfüllwasser für die eigenen Flaschen. Die Marathonis bekamen am Kontrollpunkt 3 lecker Nudeln – bei dem Startgeld darf das sicher auch. 

Ausfahrt mit Ziel

Am Sonntag wurde die typische ZG-Ausfahrt modifiziert. Hannelore und Bernd luden ein, um bei Kalt- und Warmgetränken und Kuchen danke für das Präsent zur Goldene Hochzeit sagen. Im Voraus gab es ein wenig Stirnrunzeln ob der womöglich zu warmen Temperaturen. Das allerdings war nicht der Fall.

RTF-Chef Udo startete die 75km-Runde unserer kommenden 2021er Veranstaltung um 13 Uhr in Vellmar. Von dort ging es über Grebenstein, Hombressen und der Sababurg zum Umkehrpunkt zwischen Gottsbüren und Gieselwerder. Ein wunderschöner Anstieg auf komplett Pkw-freier Waldstraße führte die Truppe hinauf in den Reinhardswald. Noch eine letzte lange Steigung zu “Schneiders Baum” und ab ging’s in maximaler Aerohaltung hinunter nach Holzhausen und von dort die schicken Kehren hinab nach Knickhagen. Perfekt von Udo getimt, war alle ZGlerInnen dann 4 Minuten vor Veranstaltungsbeginn im Café am Campingplatz.

Kaltgetränke, Käsekuchen & Co. waren gefragt. Und auch die Frage “Wer bitte macht denn Eierlikör über die Sahnetorte?” konnte beantwortet werden. Ein schicker Sonntagsausflug.

Danke fürs Kommen sagen Hannelore und Bernd

Sonntagssonne

Manch eine(r) hätte es schon fast nicht mehr geglaubt – es gab einen wundervollen Radtag. Und so war es auch kein Wunder, dass wir eine mächtig große Truppe am Start stehen hatten. Die galt es dann entsprechend zu entzerren, schließlich wollten wir kein Risiko eingehen und noch die Seuche verteilen. Es wurden dann in der ersten Hälfte 4 Gruppen, die mit viel Abstand fuhren. Gut auch, dass bereits einige “Vollgeimpfte” dazwischen waren, so wurde es noch entspannter. Danach gab es dann das große Auseinanderfallen über verschiedene Strecken sowie die Gruppe für die lange Runde. Erst auf den letzten 15 Kilometern fanden sich dann erneut einige wieder zusammen. Ein toller Tag mit einigen neuen Gesichtern, den wir auch am kommenden Sonntag wieder in Angriff nehmen werden.

Eroica Germania

Gerade Rohloff-Cup und die Reinhardswald-Rundfahrt abgehakt, ging es zum Kurzurlaub in den Rheingau. Eine sehr schöne Gegend. Am Samstag, 22. August fand dort die dritte Auflage der Eroica Germania statt. Mit dem Bauer-Rad „Modell des Weltmeisters“ fuhr ich die mittlere Runde über 77 km und 1.400 Höhenmeter

Gestartet wurde im Garten des Baron Knyphausen in Eltville am Rhein. Von dort ging es über Wirtschaftswege an Oestrich-Winkel und Presberg vorbei Richtung Ramschied/Bad Schwalbach, Fischbad und Schlangenbad. Zwischendurch immer Wahnsinns-Ausblicke auf das Rheintal, Burgen und Schlösser und auf die Weinberge. Am Schluss noch eine Runde um Kiedrich, wo wir eine Ferienwohnung hatten. Ich drücke mich bewusst vage aus, es gab nämlich keine Karte. Dafür war die Strecke absolut perfekt und quasi »deppensicher« ausgeschildert. Am Vortag waren es noch 38 Grad, nach Kaltfront und nächtlichem Regen gab es bei rund 22 Grad optimale Bedingungen fürs Radfahren. Die Strecke: Einige wenige Landstraßen, asphaltierte oder betonierte Wirtschaftswege und befestigte (geschotterte) Waldwege, die gefühlt etwa 30 % der Strecke ausmachten. Laut Veranstalter gab es Corona-begrenzte 500 Teilnehmer. Organisatorisch wurden die Corona- Schutzmaßnahmen perfekt umgesetzt.

Ist die Eroica eine RTF mit alten Rädern? 

Obwohl die Germania 2020 erst meine vierte derartige Veranstaltung ist, ein klares Nein. Mehr eine anspruchsvolle Gravel-Veranstaltung ohne Wettkampfcharakter aber mit der starken Intention, den Radfahrern die Schönheit der Landschaft nahe zu bringen. Das Geländeprofil und der Zustand der Wege fordern den Fahrern und Fahrerinnen ein hohes Maß an Fahrkunst und Fitness ab.

Ist ein Startgeld von 80 Euro angemessen?

Für diese Germania 2020 zumindest nicht. In den beiden Verpflegungskontrollen gab es ein Angebot, das kaum über dem unserer ZG-RTF in „Friedenszeiten“ lag. Aber wir sind in diesem Jahr hierfür ja auch kritisiert worden. Alles Corona also? Im Start- und Zielbereich ging es auch recht sparsam zu.

Wie ist die Germania einzuordnen? 

Zum zweiten oder dritten Mal habe ich Peter Frohnmeyer vom KSV Auedamm bei einer Eroica getroffen, er hat reichlich Erfahrung mit diesen Veranstaltungen. Seiner Meinung nach sind die italienischen „Eroicen“ Gajole und Montalcino die schwersten, danach die Eroica Germania und die Eroica Limburg.

Können wir so etwas auch? 

Ist das System Eroica in Italien vielleicht noch darauf aus, „weiße Strassen“ zu fördern, will man mit anderen Veranstaltungen sicher Geld verdienen. Das ist legitim. Jedermann-Rennen funktionieren genau so. In Eltville kam wohl ein Teil der Organisation aus Berlin (Franchise?), der andere Teil aus dem Rheingau. Wer RTF kann, kann auch eine Tourenfahrt für die Besitzer historischer oder zumindest alter Räder organisieren. Aber ohne die Eroica zu kopieren? Gibt es in unseren Breiten überhaupt genügend Interessenten? Fragen, die wir uns im Verein gerne einmal diskutieren sollten. 

Text: Bernd # Bilder & Video: Dejan Andric & Bernd