Oben ist am schönsten

Sven und Leo waren beim Bildchen-Sprint im Sauerland am Start. Die Strecke über etwa 250 Höhenmeter und gut 8 Kilometer Länge ist nicht gerade brutal steil, dafür aber extrem windanfällig. “Da war sogar Zeitfahrmaterial am Start” dachte Leo laut. Und richtig, wer nicht das erste Mal dort fährt, weiß, dass das durchaus hilfreich sein kann. Muss aber nicht.

Auch ohne hat es bei Sven und den Senioren super geklappt. Platz 5 mit 18:14 Minuten sind eine gute Zeit. Ein Zack besser bei Leo in der U19. Die Uhr blieb bei 16:59 Minuten stehen, das war nicht nur der souveräne Sieg in der Altersklasse, sondern es waren auch nur 5 Fahrer überhaupt noch schneller als Leo. Absolut sein Ding also, alleine nach oben zu fahren. Große Klasse, Applaus.

Danke, Gerd

Ein exzellenter Radtag, den uns Gerd an Fronleichnam beschert hat. Er wollte seinen Geburtstag endlich gebührend nachfeiern. Und das von vielen Blau-Gelben umgeben. Machen wir doch gerne. Also ging es auf Vereinsausfahrt. Von Kassel erst einmal locker nach Hann. Münden. Dort noch die Nachzügler eingesammelt und eine einsame und verträumte Straße im Wald mit Steigung gesucht – schon konnte jeder für sich die 4,5 Kilometer nach oben fahren. Mit etwas über 10 Minuten war André eindeutig der Schnellste. Wer sich dann – wie Sebastian – verfuhr, der brauchte auch gerne 20 Minuten und länger.

Im Anschluss ging’s dann zum lecker Essen in die Pizzeria auf dem Tanzwerder. Volle Hütte in Niedersachsen, alle Hessen nutzten den Feiertag. Gut, dass Gerd vorbestellt hatte. Danke für die Einladung, hat allen viel Spaß gemacht.

Die Stadt und das Rad

Wie war er denn nun, der erste Große Preis von Kassel? Die Runde vom Königstor über die Willi-Allee, die nach einer Ewigkeit wieder reaktiviert wurde. Am Ende des Tages können wir sagen: Gut lief’s! Aber – und das kann nicht wegdiskutiert oder ignoriert werden – es gab auch ein echtes Ärgernis, dazu aber später.

Nach langer Vorbereitung konnten wir dank der Unterstützung der Stadt Kassel und deren Ämtern unsere alte Strecke im documenta-Jahr wieder nutzen. Nachhaltigkeit ist ja ein zentraler Baustein der Kunstausstellung, und das trifft dann eben auch auf bereits bewährte Strecken und Rennen zu. So soll das sein. Als klar war, dass es klappen würde, mussten wir „nur noch“ ausreichend Sponsorengelder einwerben, denn die Kosten innerhalb der Stadt selbst bei einem so kurzen Rennen sind immens. Wir können unseren vielen, vielen Unterstützern gar nicht genug danken – Merci, Grazie, Gracias, Arigato, THX, Kiitos. Ohne euch keine Veranstaltung. 

Die Voranmeldungen bewegten sich auf dem erwarteten Niveau und reihten sich damit ein in den derzeit doch eher verhaltenen Aktivitätsindex der Sportlerinnen und Sportler bundesweit. Egal, welche Veranstaltung, bis zum Vor-Corona-Niveau wird’s noch dauern. Dann der Tag X, wir bauen auf. Dank Rainers Orga sind a) ausreichend ZGlerInnen vor Ort und wussten b) auch alle, was zu tun war. Kurz vor dem Renntag musste Rainer noch mal alles geben, die NADA meldete sich zu Dopingtests an. Was ein Glück, dass uns Remko Bornmann mit seinem Ladengeschäft in unmittelbarer Nähe zur Verfügung stand – war auch das geklärt. 

Nummernausgabe und Nachmeldungen haben wir dann ganz „oldschool“ mit Papier gemacht. Roman hätte es zwar gerne immer so digital wie möglich, Bernd wusste aber, dass es klassisch auch sehr gut funktioniert. So war’s dann auch. Bei der Ergebnisaufnahme wurde dann gemixt. Viele Augen und Papier auf dem Wagen plus die bewährte Zielkamera-App ergeben am Ende ein sauberes Resultat mit nur wenigen nachträglichen Änderungen. 

9:30 Uhr und los ging’s mit dem ersten Rennen. Übersichtliche Nachwuchsklassen der U11 bis U15 und dafür für unsere Jungs in Blau-Gelb die Chance, wertvolle Erfahrungen zu sammeln, und das galt ebenso für die weiteren SportlerInnen der Region, wie den Mädels aus Melsungen. Auch sie profitierten von einer kurzen Anreise und Rennsport ohne Druck. Kurzum: Jana, Gustav, Niklas und Daliah haben das prima gemacht. Das Podest der U13m: 1. Anton Paul vom RSG Hannover, 2. Julian Seng vom RSV FROH Fulda und 3. Nikita Liebhaber ebenfalls aus Hannover. Die Mädels: Erste wurde Victoria Liebhaber aus Hannover vor Ihrer Schwester Xenia und Jana Sandrock aus Melsungen. In der U11 hat uns Till Nieländer aus Gütersloh seinen Speed gezeigt. Die männliche U15 war mit vielen schnellen Beinen besetzt. So zeigte Lunis Govers vom Tuspo Weende bereits im Rohloff-Cup, was er kann. Und das setzte er auch am Sonntag um. Sieg vor Nico Matteo Baretti aus Gütersloh und Kalle Trumann aus Bielefeld.

Im Anschluss waren die Senioren 4 am Start. Wir freuen uns immer auf gut gefüllte Starterlisten in dieser Klasse und werden auch quasi nie enttäuscht, so auch an diesem Sonntag. Am Ende kann Jürgen Soop vom RSV Düsseldorf-Rath/Ratingen die stark fahrenden Fahrer des Masters radroo-team um Marco Grossegger und Dieter Vorbeck in Schach halten und siegt. Die nordhessischen Fahnen hielten Thomas Linder (ZG) auf Platz 8 sowie Hans-Jürgen Ludwig (RSC Fuldabrück) auf Platz 13 hoch. 

Es kam das Rennen der Senioren 3. Mit Platz 7 und 8 von Viktor Slavik (Masters radroo Team) und Ulli Welke (KSV Baunatal) waren damit die besten Nordhessen platziert. Vorne spielte die Musik des RSV Gütersloh. Zwischen dem Sieger Andreas Jung und dem Dritten Bernd Brune konnte sich Lars Geissler vom Osnabrücker Sportclub auf Platz 2 in Szene setzen. Wie bereits die vorherigen Rennen, lief es im Feld sehr gesittet und souverän ab, dann der Zieleinlauf. Nachdem alle Fahrer das Ziel erreicht hatten, freuten wir uns alle darauf, dass uns die Kunstradfahrerinnen vom RSC Ahnatal-Weimar ihr Können zeigen konnten. Kaum gefreut, krachte es auch schon. Aus dem – für uns gefühlten – Nichts fuhr tatsächlich noch ein Fahrer ins Ziel. Hatte er das Ende nicht mitbekommen? Hatte ein Ordner was übersehen? Hatten wir zu schlecht gesichert und einfach geschlafen? Letztlich wird es wohl der Klassiker einer Verkettung von Umständen gewesen sein. Wir wissen, dass das der betroffenen jungen Sportlerin jetzt absolut nichts mehr hilft, aber wir ärgern uns gigantisch, dass so etwas überhaupt passieren konnte. Fühl dich von allen gedrückt und komm ganz schnell wieder aufs Rad. 

Nach dem Schrecken ging das Programm mit der zahlenmäßig stärksten Klasse, den Amateuren, weiter. Da auch hier Kriterium gefahren wurde, konnte man davon ausgehen, dass Fahrer mit Erfahrung in den Läufen zum Rohloff-Cup auch hier eine Rolle spielen würden. Namentlich Christian Plessing aus Melsungen, Dario Ernst aus Baunatal sowie der für BSV AdW Berlin startende Markus Regenbogen. Und die drei machten ihren Job gut. Aber: drei andere waren an diesem Tag einfach besser. Es siegte Marcel Klute vom RSV Geseke vor Mario Carl vom LEEZE Vermarc Racing Team und Tim Kristian Liebe vom Team MaxWatt. Glückwunsch an alle. 

Die Elite Frauen teilte sich die Strecke im nachfolgenden Rennen mit der weiblichen U19 sowie einer starken männlichen U17. Ein Umstand, der nicht überall in der weiblichen Rennszene gut ankommt, denn in einer solchen Konkurrenz wird entsprechend hart und schnell gefahren. Nun könnte man denken: „Super, dann sollten ja alle starken Fahrerinnen sich freuen und am Start stehen.“ Weit gefehlt, das Gegenteil ist der Fall. Viel zu wenige Fahrerinnen waren am Start. Wo waren die nur alle? Und wie das Problem lösen? Ein Hobby-Rennen installieren und so auf mächtig Zuspruch hoffen? Wir stehen vor einem Henne-Ei-Problem. Mal schauen, was uns als Antwort in Zukunft darauf einfällt, schließlich haben wir mit Jasmin Corso nicht nur die schnellsten weiblichen Beine Nordhessens im Verein, sondern auch einen scharfen Verstand mit guten Ideen. Zum Rennen: Es gewinnt die bärenstarke Bianca Bernhard vom Project19VeloClub vor der immer schnellen Stefanie Paul vom Stevens MTB Racing Team und Jasmin. Annika ist nicht nur aktuell in unserem Verein das einzige schnelle U19-Mädel, sondern auch in ganz Hessen eine von gaaaanz wenigen. Leider war sie nach einem Infekt einfach noch nicht fit genug für die selektive und harte Strecke. Logische Konsequenz: ein DNF. Aber Annika ist eigentlich aktuell in guter Form, die wird sie beim nächsten (Bundesliga-)Rennen sicher wieder zeigen können. Bei den Jungs hatte Joshua Sandrock aus Melsungen einen schweren Stand, machte es mit Platz 4 aber prima. Mit Maxim Roor kam der Sieger vom RSV Gütersloh. Ihm folgten aufs Podest Hendrik Helml aus Hannover sowie Tim Diedrichs vom TSVE 1890 Bielefeld. 

Dann die U19 männlich. Hier zeigt sich das Nachwuchsdilemma überdeutlich. Im Normalfall erwartet man ein blitzsauberes Feld > 20 Fahrer, denn für die Vereine ist es enorm wichtig, viele Fahrer in dieser Altersklasse zu präsentieren, um dann im Übergang zur „Erwachsenenwelt“ ausreichend Sportler mitnehmen zu können. Gut, dass wir als ZG in diesem Jahr gleich acht Jungs vorzeigen können, drei davon konnten wir an diesem Sonntag an den Start bringen. Für Kalle war klar: hart würde es werden, Erfahrungen machen. Gian-Luca hatte noch am Mittwochabend unschöne Erfahrungen auf dem nassen Teer des Übungsplatzes machen müssen, daher die Bitte mehr mit dem Verstand als den Beinen zu arbeiten und für Leo galt: neue Maschine, Feuer frei. Alle Drei waren am Ende voll im Soll. An ihrer Seite waren die einzigen beiden Jungs vom STEVENS Juniorenteam Thüringen, die nicht in der Schweiz beim Bundesliga-Rennen in Gippigen am Start waren sowie Mika Gerberding vom RSC Hildesheim. Jakob Vogt aus Breitenworbis zog bereits in Runde zwei unwiderstehlich an und brachte das Ding souverän nach Hause. Dahinter war es lange Zeit ein heißer Tanz zwischen dem Erfurter Maximilian Katarzynski sowie Leo, bei dem Leo leider am Ende den Kürzeren zog – aber ein toller dritter Platz. Und Konkurrenz aufgemerkt: Leo hat erst eine Handvoll Rennen hinter sich, da ist noch jede Menge Luft nach oben. Gian-Luca war es dann zur Rennmitte leid, sich mit Mika Gerberding im Kreis zu drehen, ein beherzter Angriff und der Drops war gelutscht. Ein schöner vierter Platz für ihn. Kalle schließlich mit ganz vielen Mentalpunkten im Ziel. Gut gemacht und auch er noch mit jeder Menge Potenzial, das es zu heben gilt. Apropos Schweiz: Unser Karol fährt auf einen fantastischen 14. Platz in Gippigen an diesem Tag. Unfassbar, spektakulär, Wahnsinn. Dazu mit dem Team Hessen auf Nummer 1. Wo soll das noch hinführen?

Und dann: Dopingkontrolle. Die NADA stand vor der Tür und aus der U19 wurden Fahrer zur Kontrolle ausgewählt. Wie wir das finden? Spitze! Ein ganz wichtiges Zeichen nicht nur nach innen zu den SportlerInnen hin, sondern auch nach außen. Noch eine andere Sportart, bei der in Amateurveranstaltungen kontrolliert wird? Mal kurz überlegen……hm…ah, fast vergessen, woanders gibt’s ja keine Probleme. Oder der Märchen-Onkel erzählt, dass es in seiner Sportart doch gar nix bringen würde. Seien wir nicht naiv, jede Wettkampfsportart kann/wird von wenigen Schwachköpfen missbraucht. Übrigens war dies bereits die zweite Kontrolle eines Rennens innerhalb weniger Wochen, die wir selbst mitbekommen haben. Super. Viel, viel mehr davon. 

Letztes Rennen, noch mal volle Konzentration. Die Elite Männer. Mit diesem ganzen Auf- und Abstiegsgedöns wurde die Startliste etwas umhergewirbelt, hatten wir aber schließlich im Griff. Falls sich der BDR doch irgendwann noch zu einer Reform der Reform durchringen würde, wir würden es begrüßen – schlimmer wird’s ja nicht mehr werden. Nun alle Augen auf den Kasseler Oberbürgermeister Christian Geselle, der senkte die farblich korrekte Startflagge und ab ging die wilde Hatz. Schon im Voraus war klar, dass es für die Konkurrenz darum gehen würde, sich gegen das taktisch fahrende und sehr gut besetzte Melsunger Team durchzusetzen. Das erste Renndrittel mit den ersten Wertungspunkten war noch recht offen, dann aber mussten Max Feger, Axel Hauschke und Christian Herr anderen den Vortritt lassen. Philipp Plambeck von der Hamburger RG hatte den vollen Überblick und fuhr einen ganz starken Sieg ein. Dahinter ließ das STEVENS Racing Team um Alexander Hötte und Julien Essers nichts anbrennen – das Podium war komplett. Die Ergebnisfindung wurde bei den schnellsten Jungs umgestellt. Hatte der Wettfahrausschuss zuvor noch auf die Herausnahme einzelner Fahrer verzichtet, wurde in diesem Rennen davon Gebrauch gemacht. Unschön für die diejenigen mit längerer Anfahrt und dann – leider – weniger Runden, aber entspannter für den Rest und einfacher für das Ergebnis. Kaum war das Rennen gelaufen, kamen unsere Freunde der NADA auch wieder ins Spiel. Ab zur Kontrolle hieß es, die bei einigen doch mächtig Zeit in Anspruch nahm.

Fazit: Bis auf den extrem ärgerlichen Unfall eine aus unseren Augen rundum gelungene Veranstaltung. Ja, Verbesserungsbedarf ist immer. Wir haben bereits jetzt eine erste Liste mit Änderungsideen. Für uns ist klar, dass Radrennen nicht ins Industriegebiet gehören, sondern mitten rein in Städte und Gemeinden. Wenn schon das Rad das entscheidende Individualverkehrsmittel der Zukunft sein soll, dann muss der Sport das auch zentral abbilden können und dürfen. Wir von der ZG werden weiter machen mit jeder Menge Veranstaltungen. Ihr Sportler könnt uns dabei unterstützen. Kommt zu unseren Rennen. Weiter geht’s mit dem Rohloff-Cup, unseren Gravelern an jedem Donnerstag, der wunderbaren RTF plus Gravelstrecke am 14. August und dann folgt die Cross-Saison.

Hier kommt ihr zu den Bildern des Tages.

Jasmin auf MTB

Ach guck, die dicken Reifen lassen sich wohl auch flott bewegen. André und Jasmin haben das in Waldaschaff faaast perfekt umgesetzt. Bei André lief’s richtig super – klar, denn kleine Anlieger und jede Menge Technik, das ist sein Spielfeld. Dann kam ein Stein, ein Puff und vorbei war’s. So ein 🤬

Wesentlich besser bei Jasmin. Die jüngeren Frauen mit Vorgabe am Start, Jasmin 60 Sekunden hinten an. Und dann: Ab geht die Post. Sie fräst sich durchs Feld ganz nach vorne. Eine ganz feiner Sieg. Gratulation.🏆🥇

Alles auf Rot

Wir schreiben das Jahr 2022 und alles bleibt gleich: Eine Wertung für die gesamte Serie. Am ersten Renntag der Elite, Amateure und der U19 war das Feld in Rot gehüllt. Neben der starken Truppe der MT Melsungen waren noch weitere Vereinsfarben in Rot am Start. Da fühlte man sich Gelb-Blau schon fast ein wenig verloren. Anders in der U19, hier bildeten unsere Jungs die größte Gruppe – und die Hälfte fehlte sogar noch wegen Urlaub.

Die U19 machte sich auch als Erste auf die Reise. Sofort legen Karol und Alexander Goetz von der RSG Buchenau unwiderstehlich los. Keine Chance für Gian-Luca, Kalle, Kevin und Darius Wille von der MT Melsungen, eines der beiden Hinterräder zu halten. In die erste Wertung retteten sich aber fast alle der U19. Hier zeigte Alexander Goetz seine ganze Sprintklasse und verwies Karol auf den zweiten Platz. Platz drei sicherte sich Darius Wille in nach einem harten Infight mit Gian-Luca nahe der Teerkante. “Tür zu machen” nennt sich das gewagte Manöver. Cebula und Goetz konnten in die Elite-Klasse einfahren und kamen mit diesem Feld bis ins Ziel. In den Zwischensprints klare Vorteile für Cebula und ebenso eindeutig der Vorsprung im Zieleinlauf. Starker Sieg für Karol vor Goetz und Wille.

Die Felder der Amateure und Elite sind leistungstechnisch in dieser Saison kaum voneinander zu unterscheiden. Hier darf sich der BDR gerne fragen, inwieweit sich die Regelung des Auf- und Abstiegs überhaupt bewährt hat. Unserer Meinung nach viel Rauch um überhaupt nichts; die Klasseneinteilung davor war noch sinnvoller. Daher unser Aufruf nach Frankfurt: Beendet dieses krude Drama, kein Neueinsteiger wird hierdurch zusätzlich motiviert, Rennen zu fahren. Letztlich kann man Elite und Amateure zusammen starten, dies wäre in der derzeitigen Situation günstiger für Fahrer und Veranstalter.

Einige Ausreißversuche gab es sowohl aus dem MT-Lager als auch von weiteren Fahrern. Anders als in den Vorjahren war – bis auf eine schön heraus gefahrene volle Wertung von Leonid Berlitz von der MT – kein weiterer Versuch wirklich erfolgreich. Das Feld schlug insgesamt eine hohe Pace an; zu schwer, um sich alleine auf den Weg zu machen und vielleicht sogar eine Überrundung anzupeilen. “Eigentlich war ich da, um meine Jungs zu unterstützen, aber die MT-Fahrer haben das clever gemacht. Dagegen war nichts zu machen”, sagte Sascha Jakat von der RV 1899 Hochheim, der auf Platz 4 fuhr. Und damit hatte er recht. Zu jedem Zeitpunkt hatte die Truppe von Roman Kuntschik und Vitus Obermann das Geschehen im Blick. Kuntschik sicherte sich am Ende ungefährdet den Sieg, während Patrick Altefrohne von TV Friesen Telgte sich dank den wertigeren letzten Punkten hauchdünn vor Obermann behaupten konnte. Fleißpunkte im “Zeigen” durften sich noch Dominik Hofeditz vom RSC Fuldabrück und André Hildmann von der ZG Kassel an das Trikot heften.

Ein schöner Auftakt bei feinstem Rennwetter. Wir hoffen, dass auch die Rennen der Frauen, Senioren und der U-Klassen so gut besucht sind und dass wir das ganz Jahr so feinen Radrennsport mittwochs sehen dürfen. Dank auch an Bastian Schalk für viele schöne Bilder.

Aru oder Eiscreme?

Wer Ende September in Niestetal-Sandershausen sein Eis essen wollte, der stand bei der beliebten Eisdiele Sardegna vor verschlossenen Türen. Der Grund: Inhaber Familie Böer war geschlossen aufgebrochen, um Gian-Luca beim Radrennen Giro Sardegna in der Heimat von Mutter Lucia zu unterstützen. Statt Vanille, Schokolade und Stracciatella drehte sich sechs Renntage alles um schnelle Räder und Ex-Profi Fabio Aru, der die Veranstaltung begleitete. Vor dem Schweiß auf Sardinien aber galt es, die Vorbereitungen zu meistern. An erster Stelle das Thema Schule, diese musste von diesem speziellen Vorhaben überzeugt werden. Gut, dass man ein offenes Ohr bei Dr. Schöppner, Schulleiter des Friedrichsgymnasiums Kassel fand und es eine Lösung dafür gab, wie der Lehrstoff nachgearbeitet werden konnte. Schließlich kennt man sich beim ältesten Kasseler Gymnasium mit Wettkampfsport und seinen Besonderheiten bestens aus. Dann rückte die Technik in den Blickpunkt. Sechs schwere Etappen am Stück, da muss auf die Rennmaschine einhundert Prozent Verlass sein. René Wehnhardts Team von Mauers Baikschopp lieferte die schnelle Radtechnik, die  Gian-Luca sicher über die Rundfahrt brachte.

Auf Sardinien angekommen, blieb nur wenig Zeit sich mit den hohen Temperaturen anzufreunden. Ein kurzes Einrollen am Samstag und dann Sonntag um 9: 30 Uhr Aufbruch zur ersten Etappe. Hier galt es für Gian-Luca, den Fokus auf die eigene Leistungsfähigkeit unter den knapp 200 Fahrern zu richten und sich nicht sofort herausfordern zu lassen. Und der Tag lief für den jüngsten Teilnehmer des Feldes sehr gut. Nach 2:46 Stunden kam er in seiner Gruppe ins Ziel. Jetzt galt es zu regenerieren und bereits die zweite Etappe im Blick zu haben. Diese war dann wie für Gian-Luca gemacht, ein Einzelzeitfahren über 16 Kilometer mit 240 Höhenmetern, alles andere als flach. Im Ziel stand lediglich ein Rückstand von 5 Minuten zum Tagesbesten auf dem Zettel, das motivierte.

Es folgte die „3-Seen-Etappe“ zum Laghi dell’Interno mit 75 Kilometern. Auch an diesem dritten Tag lief es für Gian-Luca gut. Das Material hielt, die Beine waren gut, noch einmal 20 Minuten auf den Schnellsten verloren, aber kein Grund für schlechte Laune, denn bereits auf der 4. Etappe sollte es wieder perfekt für ihn laufen. Erneut ein Zeitfahren, dieses Mal im Team. Und dass Gian-Luca beim Einzelzeitfahren richtig flott unterwegs war, hatte man auch beim Team Corratec registriert. Dort musste man das Team spontan mit weiteren Fahrern besetzen, um die Chancen im Gesamtklassement zu wahren. Kurzerhand sprang Gian-Luca mit ein, füllte das Team auf und verhalf auf der sehr anspruchsvollen Strecke seinen Teamkameraden zu einer exzellenten Zeit, die zwei der Fahrer im Gesamtklassement auf das Podium bringen sollte. Ein so harter Tag kostete die berühmten Körner, das zeigte sich bei der vorletzten Etappe. Auf den 85 Kilometern kam es zu zahlreichen Anstiegen, die insgesamt 1600 Höhenmeter ausmachten. Eine kräftige Brise vom Meer kam den Fahrern entgegen und die Sonne brachte das Thermometer auf 30 Grad. Nur irgendwie ins Ziel kommen, lautete das Motto. Nach knapp drei Stunden war auch dies geschafft. Ein weiteres Mal hieß es Kraft tanken und sich schnell regenerieren.

Die letzte Etappe über knapp 1000 Höhenmeter bei nur 25 Kilometern Länge war ein Bergfahren. Gian-Luca gab noch einmal alles und fuhr im Gesamtklassement auf einen hervorragenden 75. Platz, in seiner Kategorie sogar auf Platz 11. Am Ende einer eindrucksvollen Rundfahrt noch ein Foto mit Fabio Aru und schon ging es wieder in den Flieger zurück nach Hause. Am kommenden Tag stand schließlich noch mit dem Bilstein-Marathon ein Mountainbikerennen zum Ausfahren auf dem Programm. Apropos Ausfahren: Dieses Rennen gewann Gian-Luca in der U19 sogar trotz aller vorherigen Strapazen. „Der Giro Sardegna war extrem anstrengend, hat aber auch sehr viel Spaß gemacht“, so Gian-Luca. „Und nächstes Jahr komme ich wieder, versprochen.“